Remscheid: Hilfe beim Naturschutz
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 31.05.2008Remscheid (RPO). 191 Staaten diskutieren auf der UN-Konferenz in Bonn über Artenvielfalt. In Remscheid laufen bereits Maßnahmen zum Erhalt und zur Reaktivierung bedrohter Pflanzen und Tiere.
Finanzierung
Zur Finanzierung von Maßnahmen zum Erhalt, Schutz und zur Reaktivierung von Arten in Schutzgebietenstehen so genannte Ersatzgelder zur Verfügung. Das ist Geld, das Bauherrn aller Art zahlen, wenn sie ein Stück Natur vernichten oder Bäume abholzen, aber keine Ausgleichsflächen angelegt werden können. Jährlich sind das rund 30 000 bis 50 000 Euro. Außerdem gibt es Fördergelder vom Land, beispielsweise für den Naturerlebnis-Weg in Grund.
Luchs, Wildkatze, Pandabär und andere spektakuläre Tierarten sind es zwar nicht, um deren Bestände und Lebensgrundlagen man sich in der Werkzeugstadt Gedanken machen muss, aber auch hier steht der Erhalt seltener oder bedrohter Tier- und Pflanzenarten auf der Agenda. Es sind eher unauffällige Spezies, um die sich das Landschaftsamt und interessierte Laien oder Helfer kümmern. Prominentester Vertreter ist der Kammmolch, aber auch Ringelnatter, Libellenarten oder Vogelarten wie Feldlerche, Wiesenpieper und Goldammer sollen hier leben können, listet Frank Stiller von der Unteren Landschaftsbehörde auf.
Sie haben bestimmte Ansprüche an ihr Umfeld. Artenschutz fängt daher beim Erhalt oder bei der Reaktivierung der typischen bergischen Kulturlandschaft mit ihrer spezifischen Vegetation an. „Brachen mit Monokulturen sind tödlich“, sagt der Fachmann. So erobere wuchernder Adlerfarn Flächen, die nicht mehr gepflegt werden. Punktuelles Mähen oder eine extensive landwirtschaftliche Nutzung wie Schafhaltung dämmen das unerwünschte Kraut ein.
Manchmal geht man drastischer vor wie im Bereich des Ortsteils Grund, wo 1,5 Hektar Boden samt Farn abgeschoben wurden. Ein Experiment, gibt Stiller zu. Jetzt, zweieinhalb Jahre nach dem Eingriff, keimt die ursprüngliche Vegetation auf. „Hoch- und Feuchtheide, dessen Same offenbar immer noch im Boden schlummerte. Das ist ein Quantensprung“, stellt der Fachmann hocherfreut fest. Dass Heidevorkommen typisch fürs Bergische seien, lasse sich übrigens an alten Ortsbezeichnungen wie Schreverheide oder Heider Steg ablesen.
Offene Landschaften und so genannte Magerbrachen zu erhalten, laute ein Gebot, das sowohl die FFH-Richtlinie, als auch das Landschaftsschutzgesetz vorgebe. Allein schafft dies ein Amt der Stadt nicht. „Wir suchen daher immer Landwirte und Hobbybauern, die eine extensive Bewirtschaftung betreiben wollen und somit die Folgepflege übernehmen.“ Kein einfaches Geschäft. Um so erfreuter zeigen sich Stiller und seine Kollegen, dass ein Hobby-Schafzüchter aus dem Morsbachtal tatkräftig hilft, unerwünschte Bestände einzudämmen.
Artensterben finde hier im Verborgenen statt, und die Erfolge beim Artenschutz zeigen sich im Kleinen, resümiert Stiller. So erfreut er ist, dass Schwarzstorch und Schwarzspecht wieder aufgetaucht sind, so neidvoll blickt er auf Wuppertal, wo die (ungiftige) Schlingnatter gesichtet wurde. Dafür kann Remscheid mit dem kürzlich eingeweihten „Naturerlebnis-Wanderweg Grund“ punkten, auf dem der Spaziergänger verschiedene Biotopstandorte kennen lernen kann.
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