Remscheid: Hilfe fürs erste Lebensjahr
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 03.09.2010Remscheid (RPO). Erstmals wird in Remscheid an alle Mütter nach der Geburt flächendeckend ein Babytagebuch verschenkt. Es soll helfen, Unsicherheiten zu beseitigen und für Themen wie die richtige Ernährung sensibilisieren.
Der sieben Monate alte Julian unterzieht das Babytagebuch sogleich einem Härtetest. Die bunten Bilder darauf scheinen ihm zu gefallen. Mit seinen Händchen patscht er darauf. Doch mehr als ein paar Knicke kann er dem hochwertigen Papier nicht beibringen – die Feuertaufe ist bestanden.
Eine Premiere feierten die Beteiligten gestern im Familienbildungswerk Haus Lindenhof. Erstmals wird an Remscheider Mütter zur Geburt flächendeckend ein Babytagebuch verteilt. Es soll den Frauen Tipps zum Thema Ernährung, Bewegung und zur ärztlichen Versorgung ihrer Kinder nahe bringen. Außerdem sind kleine Spiele beschrieben, die bereits mit Säuglingen Spaß machen. Daneben gibt es Platz zum Einkleben von Fotos und Festhalten von Notizen.
Das Babytagebuch
Auflage 1700 Stück. Das reicht bei weniger als 1000 Geburten in Remscheid jährlich für rund anderthalb Jahre.
Sponsoren Stadtsparkasse Remscheid und das Sana-Klinikum.
Verteilung Nur an Remscheider Mütter – entweder über das Sana-Klinikum oder über die Standesämter der Nachbarstädte, sofern das Kind dort zur Welt kam.
Die ersten Exemplare des druckfrischen Tagebuchs übergab Oberbürgermeisterin Beate Wilding gestern an Mütter, die einen Kursus im Familienbildungswerk Haus Lindenhof besuchen. Alle weiteren Exemplare sollen den Frauen jedoch im Sana-Klinikum oder in den Standesämtern ausgehändigt werden – kostenlos.
Ziel: Übergewicht vermeiden
Entwickelt wurde das Babytagebuch von Mitgliedern der Arbeitsgruppe Kindergesundheit der Gesundheitskonferenz. Den Anstoß dazu gab das Projekt "Mobil & Gesund", das zum Ziel hat, mit der richtigen Ernährung und Bewegung Übergewicht schon im Kindesalter zu vermeiden.
Bislang richten sich die Aktionen eher an ältere Mädchen und Jungen. "Ärzte haben uns aber darauf hingewiesen, dass die Wurzeln falscher Ernährung schon im Babyalter entstehen", berichtet Petra Klawonn, Heilpädagogin bei der Frühförder- und Beratungsstelle der Lebenshilfe. Sie hat die Arbeiten für das Babytagebuch koordiniert. Also suchten die Frauen nach einem Weg, Mütter aller Schichten "möglichst ohne erhobenen Zeigefinger" leicht verständlich über alles wichtige in den ersten zwölf Lebensmonaten ihrer Kinder zu informieren.
Vier Autorinnen, allesamt Fachfrauen, arbeiteten an den Texten. Eine Grafikerin, Mutter von acht Jahre alten Drillingen, brachte sie in eine optisch ansprechende Form. Das Tagebuch ist so gestaltet, dass es wie ein Kalender an die Wand gehängt werden kann.
Mit seiner Hilfe sollen auch Unsicherheiten beseitigt werden, die die Fachfrauen vielfach bei Müttern beobachten. Was tun, wenn das Kind schreit oder es mit einem halben Jahr noch nicht krabbeln will? "Wichtig ist es, die natürliche Elternschaft zu stärken", sagt Annette Stevens vom Kinderschutzbund. Gelassenheit sei das Zauberwort – oft reiche es aus, dem eigenen Gefühl zu vertrauen.
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