Remscheid: „Isis“ birgt noch Geheimnisse
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 26.10.2007Remscheid (RPO). Das wäre der Dame selbst in ihren kühnsten Träumen nicht eingefallen: nach über 2200 Jahren im Lenneper Röntgen-Museum zu liegen. Eingewickelt in rund 350 Quadratmeter Leinen-Binden, ohne Gehirn und Eingeweide, aber bei weitem nicht so staubig wie in ihrem Wüstengrab 400 Kilometer südlich von Kairo, ruht sie in ihrem geöffneten Sarg, das Gesicht geschützt durch eine Kartonagenmaske. Sie wartet nicht nur auf Besucher, um ihnen etwas aus ihrem Leben zu erzählen, sondern auch auf die weitere wissenschaftliche Erforschung im Deutschen Röntgen-Museum.
Unter der Wissenschaftkoordination von Privatdozentin Dr. Renate Germer vom Archäologischen Institut der Universität Hamburg untersucht ein Projektpartner-Team die Mumie mit modernsten wissenschaftlichen Methoden, darunter – wie könnte es auch anders sein – Röntgenuntersuchungen. Schon jetzt liefert die Wissenschaft eine Fülle von Erkenntnissen über die Frau, die schätzungsweise im Alter von 22 bis 24 Jahren gestorben ist.
Ihren Namen konnten die Experten aufgrund der Beschädigungen des Sarkophages nicht entziffern. So tauften sie sie – vermutlich ganz im Sinne der Toten – „Isis“; ein Name, der damals im alten Ägypten häufig vorkam. Isis war keine berühmte, hochgestellte Persönlichkeit, aber sicherlich begütert, und hatte im Laufe ihres Lebens schon mehrere Erkrankungen durchlitten, sichtbar an charakteristischen Linien an den Beinknochen.
Das neue Museum
Die erste Etappe der Neugestaltung des Röntgen-Museums in einen Ort des Lernens, Entdeckens und Forschens ist im Rahmen der Regionale 2006 abgeschlossen, zwei Bauabschnitte folgen. 1,4 Millionen Euro an Drittmitteln stehen für den zweiten bereit.
Bilder vom neuen Deutschen Röntgen-Museum unter
Zur Einbalsamierung waren ihr durch einen linksseitigen Bauchschnitt der Hauptteil der Eingeweide entfernt worden. Ihr Gehirn zogen die Balsamierer mit einem hakenförmigen Instrument durch die Nase aus dem Schädel. Dann füllten sie in den Körper Natronsalz und schichteten es um ihn herum auf. Nach etwa 40 Tagen hatte das Natron dem Körpergewebe alles Wasser entzogen und es damit vollständig ausgetrocknet. Danach mit duftenden, harzhaltigen Salbölen eingerieben, die leere Körperhöhle mit Leinen ausgestopft und in große Menge Leinen gewickelt, wurde Isis in ihrem Sarg beigesetzt.
Irgendwann nach 1884 tauchte Isis im Antikenhandel auf und landete 1893 für einen Preis von 400 Mark im Suermondt-Ludwig-Museum Aachen. Im Röntgen-Museum erhielt sie im Zuge der wissenschaftlichen Untersuchungen eine aufwändige Restaurierung. Die beiden Ägyptologinnen Svenja Güdden und Brigitte Patrascu begleiten das Projekt museumspädagogisch. Sie lesen Hieroglyphen wie die Tageszeitung. Ob Isis durch das Loch in ihrem Schädel, das durch zweimaliges Schlagen mit einem Beil hervorgerufen wurde, zu Tode kam, das konnten sie auch nicht sagen.
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