Remscheid: Jung und Alt im Spielfieber
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 26.04.2008Remscheid (RPO). Kinder der Grundschule Mannesmann gestalten regelmäßig einen Spielenachmittag mit Bewohnern des Willi-Hartkopf-Hauses. Diese Besuche sind nur ein Beispiel dafür, wie Schule sich nach außen öffnet.
Zwischen den Spielpartnern liegen Jahrzehnte und teils große kulturelle Unterschiede. Doch mitten im spielerischen Wetteifer sind alle Hürden rasch vergessen, der Wettstreit ums Gewinnen packt Jung und Alt: Erstmals besuchten Schüler der OGGS (offene Ganztagsgrundschule) der Schule Mannesmann das Willi-Hartkopf-Haus, um mit den Bewohnern eine Stunde zu spielen. „Da waren die Barrieren schnell abgebaut. Ich habe gestaunt, wie schüchterne, türkische Mädchen richtig auftauen“, berichtet Ulrike Mohns, die die Schule seit Sommer kommissarisch leitet und sich auf ein erfahrenes, engagiertes Kollegium verlassen kann.
Überraschend sei, das Ältere und ganz Junge die gleichen Spiele lieben. Es sind Klassiker wie Mensch ärgere dich nicht, Mühle, Domino, Memory und Rummikub. Da verflog die Stunde an den Spieltischen des Awo-Zentrums im Nu. „Viele Kinder gehen auf dem Weg zur Schule am Seniorenheim vorbei. Wir wollten ihnen zeigen, wer hinter den Fenstern lebt und eine Brücke bauen im Generationenkonflikt“, erklärt die Pädagogin. Die „AG Spielen“ im OGGS-Angebot werde jetzt einmal im Monat die alten Menschen besuchen.
Kultur und Schule
Die Landesregierung will die künstlerisch-kulturelle Bildung in Schulen stärken. Deshalb werden ab dem kommenden Schuljahr 2008/2009 kulturelle Projekte von Künstlerinnen und Künstlern in allen Schulformen gefördert. Künstler, Kunst- und Kulturpädagogen, Kulturinstitute und Einrichtungen der künstlerisch-kulturellen Bildung reichen jetzt ihre Projektvorschläge ein.
Ein erstes Kennenlernen gab es bei einer Theateraufführung: Die Kinder zauberten für die Bewohner den „Froschkönig“ auf die Bühne. Mohns: „Die Schüler zeigten keine Berührungsängste, gingen unvoreingenommen auf die alten Leute zu und kamen ins Gespräch.“ Die Besuche im Willi-Hartkopf-Haus sind nur ein Beispiel von vielen, wie sich die Grundschule Mannesmann nach außen öffnet und ein bisschen die Welt für die Kinder ins Haus holt. So durften die Grundschüler mit Künstlern der Gruppe Werkhaus malen, mit dem Theaterpädagogen Thomas Hermann ein Märchen einstudieren oder mit einem Schlagzeuger trommeln.
Gerade die musische Bildung und die sportlichen Angebote liegen dem Kollegium am Herzen. Dank des „Mus-e-Programms“ der Yehudi Menuhin-Stiftung konnten immer wieder Künstler mit den Kindern arbeiten. Dabei stand der Spaß, Anregungen zur Entfaltung eigener kreativer Kräfte, Stärkung der Persönlichkeit ebenso im Vordergrund wie soziales Lernen und nicht zuletzt das verbindende Element der Künste in einer Schule mit einem hohen Anteil an Kindern, deren familiäre Wurzeln im Ausland liegen. Eine Doppelstunde in der Woche arbeiten von der Stiftung ausgewählte „Muse-e-Künstler“ mit den Kindern. Jetzt bewirbt sich die Schule um eine Förderung aus dem Programm „Kultur und Schule“. Dabei werden die Honorare und Sachkosten für ein Schuljahr finanziert.
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