Remscheid: Kesselwagen schwebte ein
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007Remscheid (RPO). Seit gestern steht der 28-Tonnen-Koloss in Stachelhausen. Der Verein „Museum Destille Frantzen“ präsentiert auf der Werkzeugtrasse ein Stück Remscheider Industriegeschichte. Morgen gibt’s ein Bürgerfest zur Einweihung.
In 23 Metern Höhe baumelt das zwölf Tonnen schwere Chassis über den Wipfeln der Bäume. Nebelschwaden ziehen über die Trasse. Nieselregen setzt ein. Ein unwirkliches Bild. Der Remscheider Michael Wagner von der Wuppertaler Kranfirma Neeb sitzt am Steuer des 60-Tonnen-Krans und hievt den Unterbau für den ausgemusterten Kesselwagen der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BFB) millimetergenau auf das verbliebene alte Stück Gleisanschluss der Firma Frantzen, das seit 1986 nicht mehr genutzt wird.
Der Verein „Museum Destille Frantzen“ hat sich den 28-Tonnen-Koloss als Ausstellungsstück gesichert und will ihn als industriegeschichtliches Exponat auf der Trasse zeigen. Bis vor wenigen Monaten transportierte der Wagen Branntweine von den Brennereien zur BFB, von wo aus er als Industriealkohol an die kosmetische Industrie oder als Nahrungs- und Genussmittel an Spirituosen-Betriebe verkauft wurde.
Einweihung
Wer sich das Ausstellungsstück auf der Trasse in Stachelhausen (Bereich RWE-Trafostation) anschauen möchte, hat dazu morgen, Sonntag, 12 bis 16 Uhr, bei einem kleinen Bürgerfest Gelegenheit. Das Kulturdezernat der Stadt übernimmt den offiziellen Startschuss. Es gibt Führungen in der Alten Destille der Firma Frantzen, Verkostungen sowie Infos zum Bürgerkreis Stachelhausen.
Im dritten Versuch klappt das Aufsetzen des Unterbaus auf die Schienen. „Is’ gut, Stani?“, fragt Michael Moog seinen Kollegen Stani Montania zu. Die Monteure der Firma Kraftverkehr Vöpel haben den Kesselwagen für den Transport vom Qualitäts-Sägezentrum (QSZ) in Bliedinghausen zur Trasse des Werkzeugs in Stachelhausen zusammen mit Fahrer Murat Sömmez vorbereitet. „Zunächst mussten wir alle Schrauben abbrennen, sonst hätten wir den Waggon gar nicht vom Unterbau lösen können“, erläutert Moog.
Per Kranhaken wurden Waggon und Chassis mit Ketten und Gurten gesichert auf zwei Tieflader platziert und gestern mittag in einem Konvoi quer durch die Innenstadt nach Stachelhausen gebracht. Als der grüne Kesselwagen eintrifft, wird er vom Kran scheinbar mühelos an den Bäumen vorbeischwebend auf das Gleisstück gesetzt. „Das sind wirkliche Spezialisten“, freut sich Dr. Rainer Frantzen.
Sein Dank gilt den Sponsoren dieser von bürgerschaftlichem Engagement getragenen Aktion: der Jubiläumsstiftung der Sparkasse, der Firma Vöpel, dem Qualitäts-Sägezentrum und der Firma Arno Seiferheld, die die gärtnerischen Arbeiten an dem Trassenabschnitt erledigt hat und Anfang der Woche einen Zaun setzen wird – zum Schutz vor Vandalen und Graffiti-Schmierereien. Übers Wochenende übernimmt der Bürgerkreis Stachelhausen die Überwachung.
Erster Gast ist Dietmar Hirschl. Regelmäßig ist er hier mit dem Rad unterwegs. „Ich finde es toll, dass alte Dinge wiederbelebt werden und auch junge Leute etwas davon sehen“, meint er.
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