Remscheid: Kindern in Not helfen
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 14.07.2007Remscheid (RPO). Claus Metzler ist Begründer der Waldorfschule in Bergisch Born. Zusammen mit seiner Frau Christel kümmert er sich jetzt um den Aufbau einer Einrichtung in Nairobi (Kenia). Hierfür sucht er dringend auch Paten aus Remscheid.
„Das Kind in Ehrfurcht aufnehmen, in Liebe erziehen und in Freiheit entlassen“ – dieser Leitsatz von Rudolf Steiner, Begründer der Waldorfschule, hat auch das Leben von Claus Metzler nachhaltig beeinflusst. Als der 64-Jährige vor zwei Jahren in Altersteilzeit ging, ließ ihn die „Waldorf-Idee“ nicht los. 1986 hatte der Pädagoge die Waldorf-Schule Rudolf Steiner in Bergisch Born aufgebaut. Zuvor war er elf Jahre an einer Waldorfschule in Dortmund tätig. Kein Wunder, dass sich Metzler auch im (Un)-Ruhestand mit Ehefrau Christel um Waldorfschulen kümmert. Als die pädagogische Zentrale in Dornach (Schweiz) anfragte, ob er sich weltweit um den Aufbau solcher Einrichtungen kümmern wolle, überlegte Metzler nur kurz. „Ich habe zugesagt, weil ich junge Lehrer vor Ort betreuen und die Organisation übernehmen sollte“, erklärte er.
Waldorfpädagogik
Die erste Waldorfschule wurde 1919 von Rudolf Steiner (1861-1925) in Stuttgart gegründet. Mit ihr wurde erstmals das Prinzip sozialer Gerechtigkeit im Bildungswesen verwirklicht. Unabhängig von sozialer Herkunft, Begabung und späterem Beruf erhielten junge Menschen eine gemeinsame Bildung. Statt Auslese gab es eine Pädagogik der Förderung.
Waldorfpädagogik will die kreativen Kräfte der Schüler von Grund auf entfalten. Anstatt mit vorwiegend vorgegebenen Formen zu arbeiten, ersetzen selbstgestaltete Epochenhefte die Lehrbücher.
In Nairobi betreut Metzler seit Mitte Juni 2006 eine der beiden Waldorfschulen. „Die Lehrer werden theoretisch gut vorbereitet, aber die praktische Begleitung fehlt“, erläutert er. Vor Ort bespricht er mit den jungen Lehrern deren Aufgaben, schaut, ob sie die Waldorfpädagogik richtig vermitteln und hält Vorträge vor Eltern.
Die Faszination der Metzlers wuchs täglich. Die „Rudolf Steiner School Mbagathi Nairobi“, die von Spenden aus Westeuropa und vom Entwicklungshilfeministerium finanziert wird, besuchen 200 Schüler in den Klassen eins bis acht – mit steigender Tendenz, „denn die staatlichen Schulen in Kenia sind in einem katastrophalen Zustand“, betont Christel Metzler. Die Hälfte der Kinder seien Aids-Waisen.
Die Schule besteht aus einem Ganztagsschulbetrieb, einem Wocheninternat und einem Heim für 30 Waisen. Nebenbei läuft ein Farmbetrieb mit Gartenbau und Viehhaltung zur Selbstversorgung. Sechs kleine Rundhütten bieten Platz für Gäste. Das Essen ist meist einfach, besteht aus Maisbrei, Bohnen, Reis und Gemüse. „Aber alle werden satt“, sagt Christel Metzler.
Geld für Gebäude ist vorhanden, aber Mittel, um mehr Kinder aufzunehmen nicht. Deshalb sucht die 58-Jährige auch in Remscheid dringend Paten, die sich über einen längeren Zeitraum verpflichten, ein Kind zu betreuen. „31 Euro pro Monat reichen aus, um Essen und Schulbildung zu bezahlen. Das ist ein überschaubarer Betrag“, wirbt sie. Spender können ihre Patenschaft jederzeit kündigen und erhalten eine Spendenbescheinigung. Metzlers garantieren, dass das Geld ohne Abzüge vor Ort ankommt. Dafür sorge die GLS-Bank in Bochum („Geben, leihen, schenken“), die die „Stiftung Entwicklungshilfe“ ins Leben gerufen hat. „Da geht kein Cent in die Bürokratie“, betont Christel Metzler.
Sie habe die Hoffnung, dass durch die Hilfe auch aus Remscheid, Menschen gut ausgebildet und fürs Leben vorbereitet werden.
Informationen Claus und Christel Metzler, Tel. 02 02/61 22 55, oder per e-Mail unter cc.metzler@gmx.de
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