Remscheid: Kirche sucht das Gespräch
zuletzt aktualisiert: 23.11.2007Remscheid (RPO). Interview Mit so viel Widerstand gegen ihren Plan, die Reservefläche des Friedhofs zu bebauen, hatte die Lenneper Gemeinde nicht gerechnet. Die Verantwortlichen suchen nun den Dialog mit den Anwohnern.
Die Evangelische Kirchengemeinde in Lennep will am Friedhof Albrecht-Thaer-Straße Gebäude für das betreute Wohnen von Senioren errichten. Anwohner wehren sich dagegen. Eine Bürgerbeteiligung soll bald Klarheit schaffen. Gemeindereferent Rolf Haumann erläutert, wie es jetzt weitergeht.
Herr Haumann, haben Sie mit diesen Anwohnerbeschwerden gerechnet?
Haumann Nein, damit hatten wir nicht gerechnet. Unser Wunsch war es, etwas für die Lenneper Bevölkerung zu tun. Unseren Plänen liegt eine Umfrage der Stadt Remscheid aus dem vergangenen Jahr zugrunde, in der ein verstärkter Bedarf nach betreutem Wohnen deutlich wurde. Daraufhin haben wir uns überlegt, welches Grundstück sich für diese Zwecke eignen würde.
Gibt es schon einen Träger für dieses Projekt?
Haumann Nein, so weit sind wir noch gar nicht. Ob die Gemeinde selbst oder ein externer Träger auftritt, steht nicht fest, denn es gibt ja für das ganze Projekt noch kein festes Konzept. Diese Botschaft ist uns wichtig.
Lenkt die Gemeinde mit diesem Hinweis nicht den Blick in die falsche Richtung? Die Anwohner könnten glauben, dass sie eine Bebauung des Grundstückes verhindern können. Ist das überhaupt der Fall?
Haumann Mit diesem Hinweis wollen wir signalisieren, dass nicht schon in anderthalb Jahren der Bagger kommt. Wenn dieses Grundstück bebaut wird, und das muss nicht unbedingt sein, dann kann das auch in 20 Jahren noch sein. Wir haben kein fertiges Konzept in der Tasche. Auch das so genannte beschleunigte Verfahren haben nicht wir in Gang gesetzt. Es ist ein bürokratischer Akt, der automatisch ausgelöst wurde, weil wir bei der Umwandlung des Flächennutzungsplanes, die jetzt ansteht, unsere Wünsche berücksichtigt sehen wollen.
Die Anwohner argumentieren, dass es bei einer Bebauung keine Flächenreserven für den Friedhof mehr gibt.
Haumann Der Friedhof ist sowieso nicht ausgelastet. Ein Drittel der Fläche wird nicht genutzt. Ursache ist der Trend weg von der Erdbestattung, hin zur Feuer- oder Urnenbestattung. Urnengräber brauchen nicht mehr so viel Platz. Außerdem kommt hinzu, dass Friedhofsnutzer auch die Leerflächen in ihren Gebühren mitbezahlen.
Am oberen Ende des Friedhofes gibt es bereits Häuser für betreutes Wohnen von Senioren. Können wir uns die Neubauten ähnlich vorstellen?
Haumann Nicht in der Größenordnung. Der Stil könnte ähnlich sein, aber nicht in der Größe, nicht so gewaltige Klötze. Die Überlegungen gehen in Richtung „Wohnen im Park“, das Grundstück soll zu einer parkähnlichen Anlage gestaltet werden. Bei der Planung gehen wir von einer zweigeschossigen Bauweise aus.
Durch die Hanglage bedingt wird den Anwohnern viel Licht genommen.
Haumann Daher begrüßen wir den Vorschlag des Bezirksvertreters Hilmar Somborn, von den Plänen ein Modell oder eine Computersimulation anzufertigen. Nur so kann man sehen, wie sich die Bebauung auswirkt.
Es soll nun eine Bürgerversammlung zu dem Thema geben. Wie gehen Sie damit um?
Haumann Wir wollen schon bald ein Gespräch mit den Anwohnern führen und haben dazu auch schon einen Termin vorgeschlagen. Bei der Bürgerversammlung wird ein Vertreter der Kirche dabei sein.
Das Gespräch führte BM-Redakteurin Alexandra Kemp.
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