Remscheid: Klimawandel besser erklärbar
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 01.02.2011Remscheid (RPO). Noch ist der 750 Quadratmeter große Schulgarten der Rudolf-Steiner-Schule im Winterschlaf erstarrt. Doch laufen die Vorbereitungen für die Gartensaison in der angrenzenden Werkstatt mit Gewächshaus auf Hochtouren.
Messstäbe aus dicken Haselnuss-Ästen werden geschnitzt, mit denen bei der Aussaat im Frühjahr die richtigen Abstände zwischen den späteren Pflanzen ermittelt werden. Jeder Sechstklässler bestellt ein eigenes Beet. Es muss umgegraben, gedüngt und die Erde vorbereitet werden.
Gartenbau gehört an der Walddorfschule zum regulären Unterricht. Zwei Wochenstunden sind ab der sechsten Klasse dafür vorgesehen, in jeder Jahrgangsstufe werden andere Schwerpunkte gesetzt. In der siebten Klasse steht ein einwöchiges Waldpraktikum an. Zwei Jahre später lernen die Schüler intensiv das Arbeiten in einem landwirtschaftlichen Betrieb kennen. So kann Gartenbau-Lehrer Karl-Heinz Prinz auf vorhandenes Wissen aufbauen, das sukzessive erweitert und vertieft wird. In der Oberstufe schließlich beschäftigen sich die Waldorf-Schüler zunehmend mit ökologischen Fragen und Wirtschaftsgeografie.
Die BM checkt Schulen
Die Serie "Welche Schule soll mein Kind ab dem Sommer besuchen?" Diese Frage stellen sich Eltern von Viertklässlern zurzeit. Mitte Februar sind die Anmeldetermine. Die BM will mit ihrer Serie Schul-Check Entscheidungshilfe geben. Wir haben den Schulen einen – nach Schulform – einheitlichen Fragebogen zugesandt, den die Schulleiter beantworteten.
Die letzten Folgen:
Mittwoch Berufskolleg Technik
Donnerstag Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung
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Beim Gartenbau- und bei allen anderen kreativen bzw. handwerklichen Unterrichtsstunden geht es keinesfalls darum, frühzeitig berufliche Weichen zu stellen. Vielmehr sollen über den hohen Praxisbezug des Unterrichts theoretische Kenntnisse gefestigt werden. "Zu den Grundsätzen der Waldorf-Pädagogik gehört, dass das Langzeitlernen gekoppelt an das Gefühlsleben ist", sagt Udo Wehr, Lehrer und Vorstandsmitglied des Trägervereins der Schule. Fragen und Probleme des Klimawandels seien einem jüngeren Schüler eben besonders anschaulich zu vermitteln, wenn man beim Waldbesuch überlegt, was nötig ist, um die Bäume gesund zu erhalten. Deshalb erfolgt die Einführung in ökologische Themen bereits in den ersten Schuljahren, wo der Gartenbau-Unterricht in Projekten eingebettet ist.
Die Drittklässler zum Beispiel beobachten hautnah den Weg vom Korn bis zum Brot. "Wir möchten, dass unsere Schüler die Grundfertigkeiten des Menschen kennenlernen. Denn der ganzheitliche Ansatz steht im Vordergrund", erklärt Wehr. Letztlich werden mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Denn wer sich mit den Beschaffenheiten des Bodens, mit Gestein, Verwitterung und Verrottung beschäftigt, landet unweigerlich bei Geologie, Biologie und Chemie.
Wie bei den schnitzenden Sechstklässlern zu sehen ist, arbeiten sie bei der Fertigung ihres Messstabs selbstverständlich mit Zollstock und Lineal. Im Garten ist der Sprung zur Mathematik also gar nicht weit.
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