Remscheid: Kulturnacht zieht magisch an
VON HENNING RÖSER - zuletzt aktualisiert: 31.10.2010 - 15:49Remscheid (RPO). Was gemeinhin verpönt ist, ist bei der sechsten „Vaillant Nacht der Kultur“ überhaupt kein Problem. Egal ob Konzert, Tanzperformance, Bilderausstellung, Kabarett oder Autorenlesung – es ist ein Kommen und Gehen, das Publikum schaut für kurze oder auch längere Zeit vorbei, um sich dann zum nächsten Kulturhighlight aufzumachen. Davon gab es am Samstagabend im ganzen Stadtgebiet knapp 70.
Unmöglich also, den Kulturgenuss in ein paar Stunden komplett in sich aufzusaugen. Aber siehe da: Wo man auch vorbeischaut – es ist überall rappelvoll. 35 Teilnehmer hat die Führung über den abendlichen Honsberg, die „Kunst in der Kreativfabrik“ im Hastener Anton-Küppers-Weg erlebt genauso einen Besucheransturm wie der Initiativkreis Scharffstraße 3, der sich wie in den Vorjahren etwas Spektakuläres für die Kulturnacht ausgedacht hat: Gebäudeensemble und Außenanlagen sind in schillernde Farben getaucht.
Mystische Klänge empfangen die Besucher bei der „Eiszeit“ im Vorgarten. „Nein, ich will noch hier bleiben. Die zünden da irgendwas an“, quengelt ein kleines Mädchen, das von seinen Eltern zum Weitergehen ermuntert wird. Über lodernden Flammen wird die von Scheinwerfern angestrahlte Eisskulptur den Abend zwar nicht überleben, sorgt aber dafür für fasziniertes Staunen rundum. Mancher Gast zieht die Kamera aus der Tasche und hält den Eindruck als bleibende Erinnerung fest.
Pulsierende Leben
Die Innenstadt ist durch die Fülle der Veranstaltungen einer der Hauptanziehungspunkte des kulturellen Happenings. Pulsierendes Leben, wo man hinschaut. Hand in Hand schlendern Pärchen von Bücherei zur Galerie, Freunde haben sich zum Kultur-Hopping verabredet, und zu später Stunde sind noch viele Familien mit Kindern unterwegs. Traumhaft schön das Programm im Teo Otto Theater, das bis auf den Rang prall gefüllt ist. Ein Harlekin schleicht in großen, vorsichtigen Schritten auf die Bühne.
Dort beginnt Kristalleon zu spielen und entlockt den mit Wasser gefüllten Gläsern geradezu magische Klänge. Als die Bergischen Symponiker mit einstimmen, ist der Zauber perfekt: Zum Dahinschmelzen schön, ganz wie die Eisblöcke nebenan. Das gleiche Bild von Stimmengewirr, fröhlichem Gelächter oder stiller Bewunderung ist rund um die Musik- und Kunstschule zu erleben. Dort führt die audiovisuelle Klangwerkstadt verschiedene Kunstrichtungen zusammen. Tanz, Text, Videoinstallationen und Musik finden viele staunende Zuschauer.
Objektkunst und heißer Tee
Einen Schwerpunkt mit bildender Kunst gibt es wenige Schritte entfernt im Vaßbendersaal. Karola Krämer zeigt Objektkunst mit tiefer Symbolik, weiterhin gibt es Fotokunst und Malerei von Mitgliedern der Künstlergruppe Werkhaus und Holz-Installationen von Hans-Georg Müller zu sehen. Ein bewundernswerter Teil der Remscheider Kulturszene – und der heiße Tee schmeckt hier auch.
Die Nacht der Kultur ist auch die Nacht der Kirchen. St. Suitbertus lockt mit Musik und Film, die Stadtkirche zieht mit ihrer Schumann-Nacht ein riesiges Publikum an. Über die Hindenburgstraße wird der Heimweg angetreten. Dort steht ein Feuerkünstler mitten auf der Straße und schleudert brennende Fackeln durch die Luft. Trauben von Menschen bilden sich auf beiden Gehwegen. Als das Licht verlischt, gibt es Applaus. „Wollen Sie jetzt mit uns nach Hause fahren?“, wendet sich eine Dame an einen älteren Herrn. „Nein“, meint der voller Schwung, „ich bin noch nicht fertig. Die Nacht ist ja noch jung.“
Eines der Highlights war mit einer Performance rund um die Dampfmaschine im Deutschen Werkzeugmuseum zu bewundern. Diese Darbietung zog wahre Massen an Kulturfreunden an.
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