Remscheid: Lennep – „da muss Hilfe her“
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 18.11.2006Remscheid (RPO). Der Vorschlag, ein Konzept zur Belebung der Altstadt zu entwickeln, wird von den Betroffenen intensiv diskutiert. Anwohner wie Händler begrüßen den Vorstoß.
„Kaufen Sie doch bitte Ihre Brötchen da, wo Ihre Kinder einen Ausbildungsplatz bekommen.“ Dieser Satz, der an der Türe einer Bäckerei zu lesen ist, hat Renate Stobbe nachhaltig beeindruckt. Die Einzelhändlerin betreibt in der Lenneper Altstadt ein Reformhaus. Der Betrieb existiert seit 1953, seit 1973 ist er an der Wetterauer Straße beheimatet. Mit viel Leidenschaft verfolgt die Einzelhändlerin die aktuelle Diskussion um Lenneps Zukunft. Dass sich nun auch die Politik um eine Verbesserung der Lage bemüht, begrüßt sie, ist für sie aber nicht neu: „Diesen Appell kenne ich schon seit 40 Jahren.“ Das Problem in Lennep sei vielschichtig. „Man hat uns in den letzten Jahrzehnten nur Knüppel zwischen die Beine geworfen“, sagt Renate Stobbe und erinnert daran, dass die Altstadt im Zuge der Sanierung jahrelang zur Baustelle gemacht und dann für den Verkehr gesperrt worden sei. Nun habe sich unter den Händlern Resignation breit gemacht.
Der Kunde hat die Macht
Dass der Einzelhandel schwächelt, ist keine für Lennep typische Erscheinung, sondern sei auch in anderen Städten zu beobachten. Doch der Kunde könne mehr ausrichten, als er vielleicht denkt: „Man will die Fachgeschäfte behalten, aber kauft nicht dort ein. Man entdeckt uns nur, wenn es mal wieder darum geht, Gewinne für eine Tombola zu sammeln.“ Neulich habe sich ein Kunde bei ihr nach dem Verbleib eines Geschäftes in direkter Nachbarschaft erkundigt, das schon seit fünf Jahren geschlossen hat. „Klar, dass die schließen müssen, wenn man nur alle fünf Jahre dort einkauft.“
Viele Probleme seien aber auch hausgemacht. Renate Stobbe erinnert an die geplante Bebauung des Alten Marktes, die der Altstadt Belebung bringen würde. Der Gebäudekomplex sei schon seit 30 Jahren im Gespräch. „Es hat Architektenwettbewerbe gegeben, aber es kam nur heiße Luft dabei heraus.“ Bewegt habe sich nichts.
Gleichzeitig würden die wenigen Kunden durch eine rigide Knöllchen-Vergabe auch noch vergrault. „Zurzeit ist hier ein besonders emsiger Verteiler am Werk“, schildert sie bitter. Wie viele andere Lenneper erinnert sie sich gerne an die Zeiten, als Oberbürgermeister Fred Schulz noch im Amt war. „Von Beate Wilding kommt nach Lennep gar nichts. Man sieht sie hier nie. Fred Schulz war dagegen samstags auf unserem Wochenmarkt und hat sich mit den Leuten unterhalten.“
Es könne nicht sein, dass einzig der Handel in die Pflicht genommen werde, wenn in Lennep Probleme gelöst werden müssen. Auch die Gastronomen und andere Beteiligte müssten sich bemühen, die Situation zu verbessern. „Da muss professionelle Hilfe her.“
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