Remscheid: Leserbriefe: Die neue Fassade des Röntgen-Museums
zuletzt aktualisiert: 14.11.2006 - 14:03Remscheid (RPO). Nun ist die Edelstahl-Fassade des Röntgen-Museums fertiggestellt – und sorgt weiter für Unmut in der Stadt. Die Einen finden sie schön und die Mischung zwischen Schiefer und Metall gelungen. Die anderen sind entsetzt, finden die Fassade eine Schande für die Lenneper Altstadt.
August Kutsch über Dellen und Beulen:
Die mit Dellen und Beulen überzogene Edelstahlfassade des Röntgen-Museums ist wirklich kein „Hingucker” im guten Sinne. Dass für ein technisches Museum vielleicht auch eine technisch aussehende Fassade nicht abzulehnen ist, mag ja sein. Die Zweckmäßigkeit und die Einbindung in das vorhandene Umfeld ist aber eine ganz andere Sache. Wir hatten Besuch aus Köln, und es wurde der Wunsch nach einem Rundgang durch unser Städtchen geäußert. Als wir an der Edelstahlfassade vorbeikamen, wurde ich gefragt, was das hier sei. Ich versuchte, so gut es ging, die Wand zu verteidigen. Aber gegen das Argument, dass eine Verkleidung mit Schiefer oder Schieferplatten doch viel besser zu unserem Örtchen passen würde, konnte ich nicht viel sagen. Ich habe dann nur noch die schönsten Gässchen aufgesucht und die Besucher von einem Blick zu den Giebeln verschiedener Häuser abgehalten, an denen die Farbe mächtig abblättert.
Reinhard Wolff über die Gute Verbindung zwischen Neu und Alt:
Vor über 20 Jahren tobte in Köln ein erbitterter Meinungsstreit über das neue Wallraf-Richartz-Museum/ Museum Ludwig, welches in unmittelbarer Nähe zum altehrwürdigen gotischen Dom errichtet werden sollte. Das preisgekrönte Architekturmodell erschien vielen zu futuristisch und wurde wegen der gewählten Außenmaterialien Titanzink und roter Backstein als „Wellblechschuppen” oder „Zinkfabrik” bespöttelt. Inzwischen weiß jeder, dass dem Architekten mit dem sanften Wellenschlag der Dächer vor der Kathedrale ein großer Wurf eine Symbiose aus Tradition und Moderne gelungen ist.
Ähnlich kommt mir jetzt auch das Gezeter vor, welches um die Außenverkleidung des Museumsanbaus des Deutschen Röntgen-Museums geführt wird. Jede Zeit hat ihren Baustil und Material. Ich erinnere mich noch an die Bedenkenträger, die den modernen Anbau an den klassischen Karstadt-Bau, den Neubau des RWE-Verwaltungsgebäudes in Nachbarschaft zu Bahnhof und Amtsgericht, die Bebauung rund um die Klosterkirche und zuletzt den Bau der Stadtteilbücherei madig machten. Es geht hier um den Umbau des Röntgen-Museums und nicht um den Bau eines Museums Lennep. Ich kann mir eine Edelstahlfassade in Verbindung mit bergischem Schiefer sehr wohl als gelungen vorstellen und freue mich schon darauf. Was den Gery-Bauten in Düsseldorf recht ist, sollte uns nur billig sein.
Für Manfred Zenk ist die Fassade ein Zeugnis für Ignoranz des Denkmalschutzes:
Eine glatte Edelstahlverkleidung ist wetterbeständig, modern, elegant und eine tolle Visitenkarte für ein Blechwalzwerk in einem Industriegebiet. Für das Röntgen-Museum im Lenneper Altstadt-Rundling ist sie eine Schande und keinem Privatmann gestattet. Ohne Verkleidung mit Schiefer ist sie dort untragbar: Ein Zeugnis für Ignoranz des Denkmalschutzes bzw. der Ortssatzung.
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