Remscheid: Lobby für die Hochbegabten
zuletzt aktualisiert: 24.01.2008 - 17:20Remscheid (RPO). So ungerecht kann es im jungen Leben zugehen: Lernschwache werden nach allen Regeln der Unterrichtskunst gefördert. Musisch Begabte dürfen ihre Talente in Wettbewerben zum Tragen bringen, Migrantenkinder erhalten Sprachunterricht. Das ist gut und wichtig. Doch für hochbegabte Kinder gibt es kaum ein Förderangebot. Eins der wenigen in Remscheid bietet das IMOKHO Kinderhaus (Integratives Montessori Kinderhaus für Hochbegabte).
„Wir müssen noch mehr über Hochbegabung informieren“, sagt dessen Leiterin Johanna Scholz, selbst Mutter hochbegabter Kinder. Als emsige Botschafterin für eine Betreuung, die auf die Interessen der „Überflieger“ eingeht, geht die ausgebildete Hochbegabtenpädagogin und gefragte Referentin überall Klinken putzen. Inzwischen zeigt die Familienbildungsstätte „Die Wiege“ Interesse an einem Gesprächskreis für Betroffene, auch die Johanneskirchengemeinde hat ein offenes Ohr für das Thema.
Aufklärung tut Not. Aus Unkenntnis oder falscher Scham werden die Kinder oft verkannt. Ihr Wissensdurst bleibt ungestillt. Sie leiden, weil ihre Fähigkeiten gar nicht erkannt werden - weder von Eltern noch Pädagogen noch Kinderärzten. Die Folgen können fatal sein: Ausgrenzung, Probleme im Sozialverhalten, Verhaltensauffälligkeiten, körperliche Leiden bis hin zu Depressionen. Daher wollen Eltern und Johanna Scholz die Öffentlichkeit wach rütteln - und dafür kämpfen, dass die kleine, in Elterninitiative betriebene Einrichtung an der Kremenholler Straße überlebt. „Zuschüsse bekommen wir aufgrund bestimmter räumlicher Auflagen nicht“, sagt Johanna Scholz. Dank finanzieller Unterstützung der Karg-Stiftung ist der Fortbestand aber für die nächsten dreieinhalb Jahre gesichert.
Zwei Erzieherinnen fördern zwölf Kinder nach der Montessori-Pädagogik. „Hier fand ich die Betreuung, die mein Kind braucht. Es kann sich frei entfalten, übt soziales Verhalten und fühlt sich hier einfach wohl“, sagt Eva Dorfmüller zufrieden - Gabriele Behle und Manuela Christ pflichten ihr bei. Alle drei haben hochbegabte Töchter, die im Kinderhaus richtig aufgeblüht sind. „Hochbegabte brauchen Gleichaltrige, die mit ihnen auf einer Wellenlänge liegen“, erläutert Scholz. In anderen Einrichtungen rutschen die „Überflieger“ rasch in eine Außenseiterrolle.
Eltern werden auch schief angeguckt, wenn sie über die geistigen Fähigkeiten ihrer Sprösslinge sprechen. Nicht nur Aufklärung will die Initiative betreiben, sondern auch Kooperationen anstoßen. So soll eine integrative Gruppe eingerichtet werden, in der Kinder mit hohem und mit durchschnittlichem IQ gemeinsam betreut werden.
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