Remscheid: Mädchen missbraucht – Familienvater verurteilt
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 19.08.2009Remscheid (RPO). Nur mit Mühe konnte Amtsrichter Uwe Intorf gestern Vormittag die 13-Jährige davon überzeugen, dass ihre Aussage vor Gericht von entscheidender Bedeutung für die Beweisaufnahme war.
Als sie nach einer kurzen Unterredung schließlich doch neben ihrer Mutter am Zeugentisch Platz nahm, kamen ihr die ersten Worte nur schluchzend über die Lippen. Zitternd umklammerte die Schülerin ihre Tasche und wandte ihrem mutmaßlichen Peiniger den Rücken zu. Selbst als sie den Gerichtssaal verließ, drehte sie sich weg und vermied jeden Blickkontakt zum Angeklagten.
Ihre Schilderungen zu den Vorfällen, die sich im September 2008 in einem türkischen Imbiss in Remscheid ereigneten, waren indes detailreich und glaubhaft, so dass das Schöffengericht nur eine kurze Beratungszeit brauchte, um zu einem Urteil zu kommen. Wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern wurde der aus Velbert stammende Angeklagte zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr verurteilt. Zusätzlich muss der dreifache Familienvater 200 Arbeitsstunden in einer gemeinnützigen Einrichtung leisten.
Gericht und Staatsanwaltschaft sahen es als erwiesen an, dass der Mitarbeiter des Imbiss' die Zeugin planvoll und zielgerichtet in ein Hinterzimmer gelockt hatte, um sie dort zu umarmen und zum Zungenkuss zu nötigen. Eine Freundin der Jugendlichen, die sie eigentlich in den Nebenraum hatte begleiten wollen, wies er an, vor dem Geschäft zu warten.
"Als sie zurückkam war sie verängstigt und hatte Tränen in den Augen. Ich hab' sofort gemerkt, dass da was nicht stimmt", erinnerte sich die Klassenkameradin. Anfangs war den beiden Mädchen der Mann sehr freundlich entgegengekommen. Sie hatten am frühen Abend einen Döner bestellt, dann aber bemerkt, dass sie nicht mehr genug Geld dabei hatten. Den Vorschlag, den Betrag später vorbeizubringen, nahmen die hungrigen Jugendlichen gerne auf.
Nur das Gerede des Angeklagten, der sie mit allzu privaten, teilweise intimen Fragen belästigte, kam ihnen komisch vor. Dennoch nahmen sie das Angebot an, sich die Küche des Lokals einmal anzuschauen. Erst im Nachhinein wurde den Freundinnen bewusst, dass sie leichtsinnig gehandelt hatten. "Ich wollte erst gar nicht zur Polizei gehen. Ich hab' mich so geschämt, weil ich so doof war, mit ihm zu gehen", sagte die Geschädigte, deren Aussage auch durch die Erinnerungen des ermittelnden Polizeibeamten und die Aufzeichnungen einer Überwachungskamera untermauert wurden.
Anders als der Verteidiger hatten Richter Intorf und die Schöffen "überhaupt keinen Zweifel" an den Aussagen der Zeuginnen. Und ein milderes Urteil verbaute sich der den Tathergang leugnende Beschuldigte selbst. "Ein Geständnis hätte den Mädchen einen schweren Gang ersparen können", mahnte der Amtsrichter.
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