Remscheid: Mädchen werden krank, Jungs aggressiv
zuletzt aktualisiert: 24.01.2008 - 17:17Remscheid (RPO). Vor dreieinhalb Jahren gründete Johanna Scholz einen privaten Kindergarten, der überwiegend von hochbegabten Kindern besucht wird. In der Remscheider Einrichtung, die ohne öffentliche Zuschüsse auskommen muss, werden derzeit zwölf Kinder betreut. Nach dem Erwerb des Montessori-Diploms hat Johanna Scholz jetzt eine Ausbildung zur Begabungs-Pädagogin angeschlossen. Mit BM-Mitarbeiterin Stefanie Bona sprach die Erzieherin über die Fördermöglichkeiten Hochbegabter, aber auch über die Schwierigkeiten, denen diese Kinder im Alltag ausgesetzt sind.
BM: Frau Scholz, wie können Eltern erkennen, dass ihr Kind hochbegabt ist?
Johanna Scholz: Bei sehr kleinen Kindern tut man sich damit oft schwer. Hochbegabte Kinder sind sehr sensitiv und haben eine hohe Wahrnehmung. Oft brauchen sie wenig Schlaf und haben einen ausgeprägten eigenen Willen. Sie haben schon sehr früh Spaß am Diskutieren.
Und wie sieht es mit den geistigen Fähigkeiten dieser Kinder aus?
Viele kennen schon sehr früh alle Buchstaben und beschäftigen sich gerne mit Zahlen. Sie verfügen über einen ausgeprägten Wortschatz und haben ein intuitives Verständnis fürs Rechnen. Und wenn es um Dinge geht, die sie wirklich interessieren, zeigen hochintelligente Kinder eine hohe Konzentrationsfähigkeit. Außerdem verfügen sie über ein überragendes Gedächtnis.
Doch immer wieder hört man trotz dieser herausragenden Fähigkeiten von massiven Problemen, die hochbegabte Kinder im Kindergarten oder in der Schule haben.
Das stimmt. Im Kindergarten spüren sie zum ersten Mal ihr Anderssein. Sie denken darüber nach und haben das Gefühl, sie machen alles verkehrt.
Gibt es Symptome, die Kinder zeigen, wenn sie sich nicht wohl fühlen?
Mädchen werden oft krank, ohne dass dafür eine Ursache festgestellt wird. Jungs hingegen werden aggressiv oder werden zum Klassenclown. Und für dieses Verhalten fehlt der Umwelt oft das Verständnis.
Was raten Sie Eltern, die vermuten, dass ihr Kind hochbegabt ist?
Das ist nicht einfach zu beantworten, weil es keine einfache Lösung gibt. Eltern brauchen Hilfe von außen. Zu mir kommen Eltern oft, weil ihre Kinder in anderen Einrichtungen Schwierigkeiten haben. Bei uns finden die Mädchen und Jungen dann erstmals Freunde. Sie fühlen sich einfach wohl, weil sie Gleichbefähigte treffen.
Also wird in Ihrem Kindergarten auch das Erlernen sozialer Kompetenzen nicht vernachlässigt?
Nein. Eher das Gegenteil ist der Fall. Erstmals fangen die Kinder an Freundschaften zu pflegen, wo sie zuvor nur am Rande gestanden haben.
Hat man bei aller Diskussion um Pisa und Elite diese Kinder genug im Blick?
Ich glaube nicht. In Nordrhein-Westfalen ist unsere Einrichtung eine der wenigen, in denen hochbegabte Kinder besonders begleitet werden. Gott sei Dank ist Hochbegabtenförderung inzwischen ein Thema an den Schulen. Es gibt in Remscheid sogar einen Arbeitskreis für Lehrer, der von den Schulen anscheinend gut angenommen wird. Trotzdem gibt es noch viel zu tun.
Also ist der Informations- und Handlungsbedarf nach wie vor hoch?
Ja, unbedingt. Hochbegabte Kinder werden immer als kleine Genies oder Wunderkinder angesehen. Aber auch die gehen nicht ohne Unterstützung durch' s Leben.
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