Remscheid: Musikschule in der Abseitsfalle
zuletzt aktualisiert: 03.07.2010Remscheid (RPO). Die Nachrichten, die aus der Musik- und Kunstschule kommen, klingen wie ein gebrochener Akkord in Moll. Dabei ist es nicht die geleistete Arbeit, die für die Misstöne sorgt, sondern die Art und Weise, wie dieses städtische Institut angeblich geführt wurde. Offenbar deutet nach dem Bericht aus dem Kulturdezernat einiges darauf hin, dass die Angestellten Privilegien bei Urlaub und Stundendeputaten genossen, die ihnen nicht zustanden.
Doch halt. Der Bericht taucht die Ära von Thomas Holland-Moritz in ein Zwielicht. Dort steht der langjährige Leiter zu Unrecht. Über Jahrzehnte hat Holland-Moritz die MKS mit großem Engagement geführt. Seine Arbeit war einzig dem Ziel verpflichtet, die Kinder Remscheids an die Musik heranzuführen. Mit Erfolg. Mit Beifall von allen Seiten. Und mit dem Segen vieler Prüfberichte. Die Die Welt einer Musikschule passt nicht so einfach zwischen zwei Aktendeckel.
Angebot und Nachfrage entwickeln eine eigene Dynamik. Das musste allen klar sein. Dass Holland-Moritz nun mit unlauteren Praktiken der Stadt Schaden zugefügt haben soll, ist genauso wahrscheinlich wie ein Heiratsantrag von Guido Westerwelle an Angela Merkel. Der Wind kommt aus einer anderen Richtung. Nächste Woche entscheidet der Rat über ein Sparpaket, das tiefe Einschnitte in das öffentliche Leben der Stadt bedeuten wird.
Dass die Vorwürfe nun zwei Wochen vor der Entscheidung veröffentlicht wurden, obwohl sie bereits seit vier Monaten bekannt waren, kann kein Zufall sein. Die Musik- und Kunstschule steht auf der Streichliste. Wer will sich jetzt noch vor ein Institut stellen, in dem angeblich Steuergelder vergeudet wurden? Wer will noch für ein Institut kämpfen, das dank des Vorsitzenden des Fördervereins Ludwig Hoppe im politischen Raum verbrannte Erde hinterlassen hat.
Wo immer man bei den Parteien hinhört, die Auftritte des Herrn Hoppe haben der Musik- und Kunstschule einen Bärendienst erwiesen. Strategisch hat der Vorsitzende die MKS ins Abseits manövriert. Der einzige Anwalt für die MKS kann nur die Vernunft sein. Es darf keinen Zweifel daran geben, dass Remscheid zur Sicherung seiner Zukunft eine Musik- und Kunstschule braucht. Sie ist ein wertvolles Instrument zur Steuerung der kulturellen Bildung.
Das sollte die Stadt nicht einfach aus der Hand geben. Die MKS braucht eine gute finanzielle Ausstattung. Musikunterricht kostet Geld. Der Zugang zur Musikschule sollte nicht von den finanziellen Verhältnissen im Elternhaus abhängen. Im Herbst werden die Ergebnisse der Gutachten und Kooperationsgespräche über die MKS erwartet. Sie sollten eine sachliche Grundlage für eine Entscheidung bilden, die mindestens die nächsten zwanzig Jahre besteht.
Karl Lorenz hat die erste Musikschule Deutschlands in Remscheid gegründet. Sie hat der Stadt Glanz verliehen wie ein strahlender C-Dur-Akkord.
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