Remscheid: Naherholung vor der Haustür
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 02.04.2007Remscheid (RPO). Die ehemalige Bahnstrecke als Kulturachse zwischen Hauptbahnhof und Hasten: Die Menschen haben die „Trasse des Werkzeugs“ bereits angenommen und genießen das Stück Natur mitten in der Stadt.
Die Trasse ist bei den Bürgern angekommen. Oder, ganz wie man will, die Bürger sind auf der Trasse angekommen. Wie das von milden Temperaturen bestimmte Wochenende zeigte, hat sich Remscheids Regionaleprojekt für die Menschen in der Innenstadt ausgezahlt. Als Naherholungsgebiet vor der Haustür wird die ehemalige Bahnstrecke täglich mit Begeisterung genutzt.
Frühlingssonne genießen
Jogger und Radler haben den asphaltierten Weg als Trainingsstrecke für sich entdeckt, und bei den Inline-Skatern ist die Promenade nicht minder beliebt. Junge Familien sind hier genauso gerne unterwegs wie ältere Ehepaare, die auf den Bänken die ersten Strahlen der Frühlingssonne genießen.
Patenschaften
Um die Werkzeugtrasse in Ordnung zu halten, fordern die Spaziergänger vor allem Mülleimer. Eine andere Anregung kam von Carolin Köhler, deren Mann sich im Initiativkreis Kremenholl engagiert. Warum nicht für Teilabschnitte des historischen Verkehrswegs Patenschaften vergeben, die sich um regelmäßige Säuberungsaktionen kümmern?
„Gerade an den Sonntagen ist es hier manchmal richtig voll. Doch es ist ja Platz für alle da, und außerdem ist es auch schön, dass die Leute den Weg so gut annehmen“, meint Carolin Köhler, die mit Alicia (drei) und dem zehn Wochen alten Timo sowie mit ihrer Mutter Gerhild Ginsberg über die Trasse flaniert. Das Baby wird im Kinderwagen über den alten Schienenweg geschaukelt, während sich seine Schwester im Fahrradfahren übt. Auf halber Strecke legt das Quartett eine Pause ein und holt die Picknickdosen raus. Für die junge Mutter vom Kremenholl bietet der Spazierweg einen großen Vorteil: Hier muss man nicht auf Autos achten, der spielende Nachwuchs kann sich relativ ungehindert bewegen.
Ein Vorzug, den auch die Senioren zu schätzen wissen. Zudem ist die Trasse bei älteren Menschen sehr beliebt, weil sie keine größeren Steigungen aufweist. Aus diesem Grund nutzen auch Beatrice und Leonel Amaral die überbaute Bahntrasse fast täglich. Seit 40 Jahren lebt das portugiesische Ehepaar in Remscheid. „Wir gehen häufig hier spazieren. Manchmal bis zum Hasten“, erzählt Leonel Amaral. Und seine Frau ergänzt: „Ja, hier ist es richtig schön.“ Dass direkt vor ihrer Haustür nun richtig Trubel ist, stört das Paar weniger. „Früher fuhr uns die Bahn vor der Nase her. Da sind uns die Spaziergänger doch lieber“, meint Beatrice Amaral lächelnd.
Dennoch gibt es auch Kritik: Vor allem Abfalleimer werden vermisst. Der Wegesrand erweist sich als Auffangbecken für die Überreste der ein oder anderen „Trassenparty“. Leere Chipstüten, Flaschenhälse, Coladosen und Zigarettenkippen geben ein unschönes Bild. Auch manchem Hundebesitzer wird der Wille zur Rücksichtnahme abgesprochen. Als große „Sauerei“ empfinden viele Trassenwanderer die ekligen Hinterlassenschaften der Vierbeiner auf Rasen und Beeten.
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