Remscheid: Neues Profil für Stadtbücherei
VON CHRISTIAN PEISELER - zuletzt aktualisiert: 06.08.2010Remscheid (RPO). Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann plädiert für Kooperationen der Bibliotheken mit den Nachbarstädten. Die Einsparsumme von 400 000 Euro bei der Musik- und Kunstschule hält er für unrealistisch.
Die Stadtbücherei soll nach dem Ausscheiden von Leiter Jürgen Brüninghaus zum Ende des Jahres neu aufgestellt werden. Das sagte gestern Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann beim Redaktionsgespräch in der Bergischen Morgenpost. "Das neue Konzept muss sich dem stets verändernden Leseverhalten der Bürger anpassen", sagte Henkelmann.
Auf den Verleih von Videos und CDs könne nach seiner Meinung verzichtet werden. Er setze aber darauf, dass die elektronischen Medien stärker berücksichtigt werden. Auch im Service bedarf es laut Henkelmann eines besseren Angebots. Dazu zählen Sitzecken mit einem Getränkeautomaten und bessere Öffnungszeiten. Von einem Gutachter lässt Henkelmann verschiedene Vorschläge erarbeiten. Der Rat der Stadt hat ihn beauftragt, ein neues Konzept zu entwickeln.
Die Frage der Kooperation mit den Bibliotheken in Solingen und Wuppertal spielt dabei eine wichtige Rolle. "Bei einer Kooperation mit den Nachbarn braucht Remscheid nicht unbedingt einen eigenen Büchereileiter", sagte Henkelmann. Die Stadtbücherei mit den Filialen in Lennep und Lüttringhausen kostet die Stadt pro Jahr 1,6 Millionen Euro. In Jahr 2009 lag die Anzahl an Ausleihen bei 480 000. Das war das drittbeste Ergebnis in der Geschichte der Stadtbücherei.
Überrascht zeigte sich Henkelmann über die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Wuppertal wegen des Verdachts der Untreue bei der Musik- und Kunstschule (MKS). "Wir haben davon erst aus der Presse erfahren", sagte Henkelmann. Er brach eine Lanze für die Angestellten der Musik- und Kunstschule. Der frühere Musikschulleiter Thomas Holland-Moritz sei kein Krimineller, und auch den Musikschullehrern wolle er nichts Böses unterstellen. Über Jahre sei die Musikschule vom Gemeindeprüfungsamt (GPA) und vom Rechnungsprüfungsamt (RPA) kontrolliert worden. Ohne Beanstandung. Der Vorwurf gegen die MKS lautet im Kern: Die Musiklehrer haben Geld für Arbeit bekommen, die sie nicht geleistet haben. Für die Vor- und Nachbereitung des Unterrichts wurden den fest angestellten Kräften Überstunden angerechnet, obwohl sie dafür in ihren Verträgen ein Zeitpolster hatten. Die Mehrheit des Rates hat beschlossen, den Zuschuss an die MKS um 400 000 Euro zu reduzieren. "Diese Zahl halte ich für unrealistisch", sagte Henkelmann. Ein Gutachten, das für den Herbst angekündigt ist, soll Grundlage für die Entscheidung sein, wie es mit der Musik- und Kunstschule weitergeht.
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