Remscheid: Nikolaustüten für Obdachlose
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 17.12.2010Remscheid (RPO). Das Medimobil, die rollende Arztpraxis, war gestern in Remscheid mit dem Nikolaus unterwegs. Ärzte und andere Helfer verteilten an Bedürftige, Suchtkranke und Obdachlose Geschenke und boten medizinische Hilfe an.
Hasten/SÜdbezirk Der Dieselmotor brummt, und die Mannschaft steht schon in den Startlöchern: der Arzt Dr. Jusef Hadjamu, die Helferin Sandra Hefen, der Fahrer Karl-Heinz Gühne und der "Weihnachtsmann" im roten Nikolausdress, Lothar Neumann. Das "Medimobil" wird sich gleich auf seine Tour machen, um Patienten ambulant zu versorgen. Es geht jetzt im Winter vom Gesundheitsamt zum Rosenhügel und dort zum Wohnheim "Pension Dreßen" an der Neuenkamper Straße. Im Sommer fährt das Medimobil noch zum Bökerspark.
An den Haltestellen warten die Patienten: Obdachlose und Personen, die in einem Einraum-Appartement leben (müssen), Kranke, die kein Geld haben, um die zehn Euro Praxisgebühr zu bezahlen, durchweg Gestrandete und Gestrauchelte, die am Rande der Gesellschaft leben. Viele trauen sich auch nicht mehr in eine "normale" Praxis. Zwischen 15 und 20 Patienten erwartet Dr. Hadjamu an diesem Abend, 80 Prozent davon sind Männer. Ansonsten entspreche die Patientenstruktur dem Abbild der Bevölkerung, außer, dass sehr wenige Kinder kommen.
Medizinische Hilfe
Wann? Seit rund sechs Jahren ist das Medimobil an jedem Mittwochnachmittag in Remscheid unterwegs.
Wer? Ärzte, zwei medizinische Helferinnen bzw. Sozialarbeiterinnen und Fahrer teilen sich den Dienst. Alle sind ausschließlich ehrenamtlich tätig.
Spenden sind willkommen Kontakt über das Gesundheitsamt, Tel. 02191 163901.
Alter Rettungswagen der Wehr
Sozialarbeiter Gerd Dürr betont, dass trotz Sozialleistungen des Staates und einer Krankenversicherungspflicht das Medimobil und sein Team "unbürokratisch, ohne Ansehen der Person, nicht konfessionsgebunden" helfe. Dürr, der diesmal den ausgedienten Rettungswagen der Remscheider Feuerwehr mit auf die rund dreistündige Reise schickt, fährt oft selber mit. "Wir verkaufen keine Therapie", sagt er. "Wir helfen einfach, und wer will, darf auch anonym bleiben." Gleichwohl umfasst die Patientendatei rund 500 Krankenakten. Die Patienten kommen jetzt im Winter meist aufgrund Infektionen der oberen Atemwege, Wundinfekten, Bluthochdrucks, kranker Füße und anderer akuter Beschwerden.
Natürlich stehen auch Alkoholiker und andere Suchtkranke in der Warteschlange vor dem Medimobil. Notfälle werden ins Krankenhaus eingewiesen. Das komme aber seltener vor, sagte Dr. Hadjamu. Der 75-Jährige betreibt seine Praxis in Güldenwerth und fährt seit acht Jahren als behandelnder Arzt mit. Ehrenamtlich, wie alle anderen auch. Warum? "Es bereitet eine innere Befriedigung, Menschen helfen zu können", sagt er. Ähnliches ist auch von Sandra Hefen und Karl-Heinz Gühne zu hören.
Besondere Freude an diesem Tag erfährt der Weihnachtsmann. Er wird jedem der Patienten eine voll gepackte Weihnachtstüte überreichen, die die Wuppertaler Tafel zur Verfügung gestellt hat. Das Medimobil fährt für die Tafel. Es ist einmal in der Woche in jeder der bergischen Großstädte unterwegs.
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