Remscheid: Pausen-Signale der Bergischen Symphoniker
VON ULRICH MUTZ - zuletzt aktualisiert: 10.09.2010Remscheid (RPO). Mit gleich drei Uraufführungen an einem Abend setzten die Symphoniker zum Auftakt der neuen Saison unverkennbar Signale. Im Zentrum ihres ersten Philharmonischen Konzerts: die "Idyllische Szene" für Bläserquintett und Orchester des Romantikers Julius Rietz. Erstmals nach Jahrzehnten erklang sie diese Woche wieder in einem öffentlichen Konzert. Rietz setzt die Solobläser nicht nach Art einer Harmoniemusik ein, sondern läßt sie immer wieder in Einzelsoli hervortreten. Die das formidable Ma'alot-Quintett mit kammermusikalischer Tonkultur absolvierte - eingebettet in einen orchestralen Klangteppich, der das Bläsergewebe mit dynamischer Diskretion wie auf einem samtenen Polster trug.
Dass Webers "Freischütz"-Ouvertüre dagegen vom Klischee des Waldidylls weit entfernt war, lag nicht nur an dem vorausgegangenen orchestralen "Signal": der ersten von 20 Miniaturen, mit denen der Komponist Alois Bröder das Publikum in beide Programmhälften der Philharmonischen Konzerte in dieser Spielzeit geleiten will. Als "Vor-Echos" bezeichnet er sie auch, denn sie nehmen musikalisch Bezug auf das jeweils folgende Stück.
Eingangs geschah das etwa mit dem Einleitungsmotiv der "Freischütz"-Ouvertüre, das er zu fast katastrophischer Atmosphäre verdichtete: ein musikalisches Vexierbild. Die folgende Ouvertüre geriet zum existenziellen Tondrama um Leben, Tod und Seelenheil - weniger durch die etwas robust blasende Hörnergruppe, als durch das Gewicht, das Peter Kuhn jedem Detail gab.
Ähnlich nach der Pause: Nachdem Bröders "Signal" die Einleitungsfanfare von Robert Schumanns C-Dur-Symphonie op. 61 zu einer Groteske à la Mahler verzerrt hatte, ließen Kuhn und die Symphoniker Musik eines ruhelosen Schwarmgeistes folgen: feinnervig, mit einem vor Erregung berstenden Scherzo und beseelten Bläsersoli - bis hin zu Schumanns finalem Freuden-Aufschwung.
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