Remscheid: Plädoyer für die Gesamtschule
VON GERHARD PICK - zuletzt aktualisiert: 21.08.2009Remscheid (RPO). Zwei Stunden lang befassten sich Schulpolitiker von sechs Remscheider Parteien in der Denkerschmette mit "Wahlprüfsteinen", die ihnen von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zum Thema Schule gestellt wurden.
Dabei ging es in der vom GEW-Vorsitzenden Jürgen Gottmann moderierten Informationsveranstaltung vor allem um die Folgen sinkender Schülerzahlen, um die Frage nach einer dritten Gesamtschule sowie die Integration behinderter Kinder.
Sinkende Schülerzahl als Chance
Die Vertreter aller Parteien machten deutlich, dass sie in den sinkenden Schülerzahlen die Chance erkennen, nicht nur mehr Raum für Differenzierungen zu erhalten, sondern auch durch kleinere Lerngruppen Schüler besser fördern zu können. Wegen des Wegfalls der Schulbezirksgrenzen bestehe jedoch die Gefahr, dass einige Schulen wegen sehr großen Zuspruchs sehr große Klassen bilden müssten, andere dagegen mangels Zuspruch in ihrem Bestand gefährdet würden, warnte Hans-Peter Meinecke (SPD). Den derzeitigen Bestand wiederum wollen alle sechs Parteien im Grundschulbereich sichern.
Anders sieht es im Sekundarbereich aus. Hier plädierte Brigitte Neff-Wetzel (Die Linke) ebenso vehement für die Gesamtschule wie Jutta Velte (Grüne) und Hans-Peter Meinecke. Der verwies auf die eher realisierbare Lösung einer Zusammenführung von Real- und Hauptschule, wie sie zum Beispiel in Schleswig-Holstein praktiziert wird. Eine Kompromisslösung, für die sich auch Waltraud Bodenstedt (W.i.R.) aufgeschlossen zeigte. Für die Beibehaltung und Stärkung der zurzeit vorhandenen Schulen plädierte Kai Kaltwasser (CDU) und setzte sich damit einen deutlichen Akzent.
Bei der Forderung, das Erfolgsmodell Ganztagsunterricht über den Primarsektor auszuweiten, war die Einigkeit aller wieder hergestellt. Ben Becker (FDP) stellte sich zudem ausdrücklich auch hinter den von Schulleiter Hans-Heinz Schumacher an dieser Stelle vorgestellten Wunsch des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums nach Einrichtung eines offenen Ganztags, während sich Jutta Velte lieber einen "gebundenen Ganztag" wünschte.
Oberstufen sollen kooperieren
Keine Differenzen gab es schließlich auch bei "Maßnahmen, um ein differenziertes Oberstufenangebot" bereit zu stellen. Hier war man sich einig, dass die Oberstufen der Gymnasien, Gesamtschulen und Berufskollegs kooperieren müssten. Was indes von EMA, GBG und AES bereits geleistet wird. Einigkeit herrschte schließlich auch darin, dass mehr Schulen integrativ arbeiten müssten, um behinderten Kindern bessere Chancen zu geben. Allerdings machten Hans-Peter Meinecke sowie Vertreter von Förderschulen deutlich, dass hier die Kommunalpolitiker überfordert sind.
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