Remscheid: Platznot am Berufskolleg
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 16.09.2010Remscheid (RPO). Die Klassenräume am Berufskolleg Wirtschaft sind zu klein, und es sind zu wenige. Die Platznot führt dazu, dass moderner Unterricht kaum möglich ist. Ein Umzug scheint die einzige Lösung zu sein.
Der Blick in ein Klassenzimmer zeigt die beengte Situation am Berufskolleg Wirtschaft: Gerade mal 22 Schüler haben an den in Reih und Glied aufgestellten Tischen Platz. Für Gruppentische, Computer oder Bücherregale fehlen hingegen Stellmöglichkeiten. Der Raum ist einfach zu klein dafür. "Es gibt Leute, die haben größere Wohnzimmer als wir Klassenzimmer", sagt Gerhard Leicht, Leiter des Berufskollegs Wirtschaft.
Für seine Schule hat das weit reichende Konsequenzen. Das offenbart eine Qualitätsanalyse des Landes Nordrhein-Westfalen, der das Berufskolleg unterzogen wurde. Diese Prüfung wird zurzeit landesweit an allen Schulen durchgeführt. Ihr zufolge ist in der räumlichen Enge der Remscheider Einrichtung nur althergebrachter Frontalunterricht möglich. "Selbstgesteuertes Lernen geht dagegen nicht", bedauert Leicht. Darunter ist zu verstehen, dass sich die Schüler ihre Lernziele selbst erarbeiten. Neuesten Erkenntnissen zufolge bleibt mit dieser Lehrmethode das Wissen besser haften. Dazu aber müssen den Jugendlichen in den Klassenräumen zumindest Bücher und Internet zugänglich sein.
Berufskolleg Wirtschaft
Schüler Das Berufskolleg Wirtschaft zählt 1500 Schüler in über 70 Klassen. Davon besuchen 900 die Berufsschule, 600 sind Vollzeitschüler (z.B. Höhere Handelsschule, Wirtschaftsgymnasium).
Lehrer Am Berufskolleg arbeiten 70 Lehrkräfte.
Räume Es gibt 33 Unterrichtszimmer und 22 Räume für andere Zwecke.
Es fehlt ein Pausenraum
Auch ein Selbstlernzentrum, also ein Raum, in dem die Schüler ihre Hausaufgaben machen können und der mit geeigneten Medien bestückt ist, wäre wünschenswert, sagt Leicht. Darüber hinaus fehlt ein Aufenthaltsraum. Schließlich sind die Jugendlichen bis zu acht Stunden täglich im Berufskolleg, doch eine Caféteria gibt es nicht. Auch ist das in Teilen mehr als 100 Jahre alte Gebäude nicht barrierefrei. Das trifft sowohl behinderte Schüler als auch Lehrkräfte, die zum Beispiel Laptops selbst mit einem Rollwagen nur schwerlich hin und her transportieren können.
Stadtverwaltung und Politik haben sich vor Ort bereits ein Bild von der Lage gemacht, berichtet Leicht. Alle Gesprächspartner hätten Verständnis für die Situation geäußert. Nun werden Ideen gesucht. Ein Umzug scheint unabdingbar. Für den Schulleiter ist nebensächlich, ob ein Gebäude neu errichtet oder eine bestehende Immobilie umgebaut wird: "Hauptsache, wir können den Unterricht geben, den wir geben wollen", sagt Leicht.
Auch dem Gedanken, alle Remscheider Berufskollegs an einem Standort zusammenzufassen, kann er Vorteile abgewinnen. "Das wäre aus meiner Sicht eine vernünftige Lösung." Wichtig sei, dass überhaupt etwas passiert. Denn die Situation werde sich nicht entspannen. Leicht rechnet mit einer stabilen Schülerzahl auch für die kommenden Jahre. Daran ändert auch das Wirtschaftsgymnasium nichts, das jetzt in Hückeswagen seinen Betrieb aufnahm: "Wir haben nicht gemerkt, dass unsere Schülerzahl dadurch beeinflusst wurde."
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