Remscheid: Politik: „Bildung hat Priorität“ Realschule wagt den Ganztag
zuletzt aktualisiert: 30.10.2008Remscheid (RPO). Wie viel ist die Bildung wert?
Vier Millionen Euro sollen in den Haushalt 2009 und in den Finanzplan 2008 bis 2012 eingearbeitet werden, um die notwendigen Aus- und Umbaumaßnahmen für den Nachmittagsbetrieb an Schulen realisieren zu können. Über zusätzliche Kredite darf die Stadt die Investitionen nicht finanzieren. „Für die SPD hat Bildung, das heißt: Schule, der Ausbau der Betreuung Unter-Dreijähriger und eine Kinderbetreuung zu vernünftigen Preisen absolute Priorität“, sagte Schulausschussvorsitzender und SPD-Fraktionsvorsitzender Hans Peter Meinecke auf Nachfrage der BM. Man müsse Gelder im Investitionshaushalt umschichten, weil vom Land „nur Almosen geboten werden“, kritisiert Meinecke. Die SPD werde keiner Lösung zustimmen, die einen späteren Ausbau zum gebundenen Ganztag verhindert.
Ob die CDU der Vier-MillionenInvestition zustimmt, müsse in den nächsten Fraktionssitzungen geklärt werden, sagte Kai Kaltwasser, schulpolitischer Sprecher der Christdemokraten. Ganz klar sei Bildung und Schule ein Schwerpunkt, „das hat die CDU in den vergangenem Jahren zum Beispiel beim Ausbau der offenen Ganztagsschulen bewiesen“, erinnerte Kaltwasser.
Die Albert-Schweitzer-Realschule wagt die Umwandlung in eine wirkliche Ganztagsschule: Als einzige weiterführende Halbtagsschule hat sie sich für diese Variante entschieden. Wie bei allen anderen Schulen waren Eltern, Lehrer und Schüler an der Wahl zwischen dem Ganztag und der pädagogischen Übermittagbetreuung beteiligt. Nach Vorstellungen des Landes sollen in jeder kreisfreien Stadt jeweils eine Realschule und ein Gymnasium in Ganztagsschulen umgewandelt werden. Vielen Eltern der Lenneper Realschule käme diese Entlastung sehr entgegen. 40 Prozent wünschten eine Nachmittagsbetreuung. Bisher haben die Schüler nur an ein bis zwei Tagen in der Woche Nachmittagsunterricht. Ganztag bedeute ein Mehr an Zeit, erläutert Albert-Schweitzer-Leiter Sasse, mehr Ruhe zum Lernen und für Gespräche sowie die Chance, den Unterricht anders zu rhythmisieren. Dafür benötige man eine Mensa, Arbeitsräume und ein Café als Treffpunkt. Die Architekten des städtischen Gebäudemanagements haben die Wünsche aufgegriffen. In einem zweigeschossigen Anbau und durch Umbau des Untergeschosses sollen rund 700 Quadratmeter für Speiseraum, Küche und Freizeitbereich gewonnen werden. Kostenpunkt: 1,7 Millionen Euro.
Wer Ja zum Schwerpunkt Bildung sagt, muss auch konsequent sein, wenn es um die Finanzierung notwendiger Investitionen geht. An denen kommt die Stadt als Schulträger nicht vorbei, wenn sie Schüler adäquat an langen Unterrichtstagen betreut und versorgt sehen möchte. Vier Millionen Euro sind ein dicker Batzen für die verschuldete Kommune, die in allen Bereichen sparen muss. Bürgern muss klar sein, dass die Pläne nur durch Umschichtungen im Haushalt verwirklicht werden können. Dass sie beispielsweise Straßen mit Schlaglöchern zugunsten von Schulmensen in Kauf nehmen müssen. Die Politik muss nun Farbe bekennen, welche Wunschvorhaben sie auf die lange Bank schiebt, damit Kinder in der Schule gesund und in einem angemessenen räumlichen Umfeld essen können. (pd)
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



