Remscheid: Politiker hospitieren bis März 2008
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 07.11.2007Remscheid (RPO). „Politiker und Politikerinnen hospitieren in Sozial- und Behinderteneinrichtungen“ – mit diesem kühnen Plan ging der Behindertenbeirat nach den Sommerferien an die Öffentlichkeit. Bis dahin war das nur Wunschdenken vieler Behinderter, ab nächster Woche soll es Wirklichkeit werden.
Politiker schauen hinter die Kulissen und setzen sich vor Ort mit Wünschen und Problemen der Betroffenen auseinander. Damit sind die Remscheider in Nordrhein-Westfalen die Ersten. „Ein Pilotprojekt, das im Land einmalig ist und das es auch auf Bundesebene so noch nicht gibt“, bestätigten der städtische Behindertenbeauftragte Edwin Behrens und Herbert Güthe, Vorsitzender des Behindertenbeirats.
Die Begeisterung bei einigen Remscheider Politikern hielt sich allerdings in Grenzen. Zumindest bei SPD und Bündnis 90/Grünen. „Wir sind enttäuscht, dass sich diese Fraktionen nicht gemeldet haben und wir ihnen das Projekt nicht vorstellen durften“, betonte Güthe (selbst SPD-Ratsherr).
Als aber die Behindertenbeiräte aus Remscheid, Solingen und Wuppertal vor zwei Wochen zu einer Podiumsdiskussion nach Wuppertal eingeladen hatten, zollte der Bundestagsabgeordnete Klaus Zöllmer (SPD) dem Projekt spontan seine Anerkennung und meldete sich sogleich an. Auf der Liste von Herbert Güthe stehen somit 14 Politiker, die eine Hospitation machen wollen. 25 Einrichtungen – integrative Kindergärten, Altenheime, Pflege- und Behindertenfahrdienste, Selbsthilfegruppen, Lebenshilfe und Sana-Klinikum – freuen sich auf die Politiker und ihre aktive Mithilfe.
Die Kritik an dem Pilotprojekt versteht Herbert Güthe nicht. „Wir wollen niemanden bevormunden oder Zwang ausüben. Es wäre nur schön, wenn sich die Politik auch dort mal blicken lassen würde, wo die Schwerpunkte ihrer Arbeit liegen. Viele Politiker sagen, dass sie das alles kennen, aber was sie dann entscheiden, hat oft nichts mit der Realität zu tun“, erklärte er.
Wie groß das Interesse an dem Remscheider Projekt ist, zeigen mittlerweile auch Nachfragen aus anderen Städten. Die Aktion läuft bis 30. März 2008. Konkrete Termine werden im Laufe dieser Woche vereinbart, sagte Güthe.
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