Remscheid: „Post vom Nachbarn“ ist arglistige Täuschung
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 15.04.2008Remscheid (RPO). Die Verbraucherzentrale warnt vor einem Angebot im Internet. Mehrere Remscheider haben sich bereits beschwert. Die dubiose Masche beginnt mit einem Telefonanruf. Darin teilt eine Tonbandstimme mit, dass für den Angerufenen eine Nachricht von einem Nachbarn hinterlassen wurde, die er per Code im Internet abrufen kann. Auf www.nachbarschaftspost.com erfolgen dann weitere Anweisungen.
„Vorsicht, hierbei handelt es um ein Internet-Abo“, warnt die Leiterin der Remscheider Beratungsstelle, Lydia Schwertner. Wer den Text links neben dem Eingabefenster nicht richtig lese, gehe einen Vertrag mit zweijähriger Laufzeit ein – Kosten: neun Euro pro Monat, also insgesamt 216 Euro für zwei Jahre. „Das ist arglistige Täuschung. Es handelt sich um einen ungültigen Vertrag“, betont Lydia Schwertner. Sie gehe davon aus, dass schon mehrere Remscheider auf die Masche reingefallen sind. Aber sie beruhigt: Innerhalb von 14 Tagen habe jeder ein Widerrufsrecht.
Darauf hofft auch Waldemar Workowski. Der Remscheider hatte sich eine Kettensäge bestellt und wartete auf eine Benachrichtigung der Post. „Als der Anruf mit der Tonbandstimme kam, dachte ich, es handele sich um einen Paketdienst. Also ging meine Tochter für mich ins Internet und trug die Daten ein“, erklärte er. Abends sei er dann selber nochmal ins Internet gegangen, um den Code einzugeben. Doch statt einer Nachricht über den Verbleib seiner Kettensäge, erhielt Workowski die Beschreibung einer Frau.
„Da stimmt was nicht!“, dachte er sich und verließ die Seite sofort. Einen Tag später erfuhr er übers Internet, dass viele Betroffene negative Erfahrungen mit der Nachbarschaftspost gemacht hatten. „Da war von einem unseriösen Anbieter die Rede. Mein Problem ist, dass ich nicht weiß, ob ich ein solches Abo bestellt habe, weil ich bislang noch keine Antwort erhalten habe“, berichtet Workowski.
In seiner Not wandte er sich an Lydia Schwertner. Von ihr bekam er einen Vordruck für einen Widerruf mit wichtigen Tipps. „Ich wäre nie darauf gekommen, was dahinter steckt“, meint er. Umso geschockter sei er jetzt. „Jetzt muss ich sehen, wie ich da wieder rauskomme“, sagt er. Der Widerruf geht per Einschreiben an einen Servicedienst, der die Geschäfte über die Schweiz abwickelt. Lydia Schwertner rät, auf keinen Fall einen Vertrag abzuschließen. „Oft sind die Anbieter sehr hartnäckig, melden sich noch mehrere Monate später und drohen den Kunden auch.“
Tipps: Alleestraße 101-103, oder unter der Telefonnummer 0 21 91/29 34 11.
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