Remscheid: Rat stoppt Planung für B 229n
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 15.07.2011Remscheid (RP). Die Remscheider Politik sorgte am Donnerstag für klare Verhältnisse: Die Umgehungsstraße wird nicht gebaut. Das wird die Hausbesitzer der Straße Am Stadtwald freuen: Sie wollten Grundstücke kaufen – und konnten es nicht.
Liebevoll gepflegt sind die Häuser in der Straße Am Stadtwald. In den Vorgärten blühen Tagetes und Hortensien, in den Carports ist Kaminholz gestapelt. Hier leben die Rentner Hans-Rainer und Ulrike Schulz im Elternhaus von Ulrike Schulz. Vor 35 Jahren haben die Eheleute mit eigener Hände Arbeit einen Anbau an das Haus gesetzt. "Drei Jahre lang habe ich keinen Urlaub gemacht", erinnert sich der ehemalige Maschinenbautechniker an die Bauarbeiten, und Ulrike Schulz nickt.
Viel Herzblut steckt in dem Haus, dessen Eigentümer sie sind. Das Grundstück jedoch, auf dem ihr Haus steht, gehört der Stadt. Jetzt wollten es die Schulzens gerne kaufen – und konnten es nicht. Der Grund: Der ungeklärte Trassenverlauf der geplanten Umgehungsstraße B 229n.
Die B 229 n
Verlauf Die Pläne für die B229n lagen seit mehr als 30 Jahren in der Schublade. Die Trasse sollte in Teilen dem Verlauf der ehemaligen Bahnstrecke Lennep-Wilhelmstal folgen und rund 20 Millionen Euro kosten.
Vorteil Die Straße hätte die Ringstraße sowie die Kreuzung Trecknase (Kölner/Lenneper/Borner/Ringstraße) entlasten sollen.
Bald muss neu verhandelt werden
Wie 20 weitere Familien in der Straße nutzen die Schulzens ihre Grundstücke im Zuge des Erbbaurechtes. Das heißt, sie zahlen eine Pacht an die Stadt. Der 60 Jahre währende Erbpachtvertrag läuft jedoch Ende kommenden Jahres aus. Es muss neu verhandelt werden. Die Eheleute und weitere Nachbarn möchten ihre Grundstücke gerne kaufen. Das würde auch der Kommune nutzen, ihr ein wenig Geld in die Kasse spülen.
Doch es hätte sein können, dass über die Grundstücke der Anwohner oder direkt dahinter die Umgehungsstraße B229n verläuft. Für die Schulzens wäre das ein Grund gewesen, das Gelände nicht zu kaufen: "Den Lärm machen wir nicht mit", sagen die Eheleute entschieden.
Da aber bis zuletzt niemand sagen konnte, ob, wo und wann die B 229n gebaut würde, hingen die Anwohner, die zwischenzeitlich eine Interessengemeinschaft gegründet hatten, in der Luft. Kaufen sie womöglich Land, das sie später zu Gunsten der Umgehungsstraße wieder verkaufen müssen? Hans-Rainer Schulz, der zum Sprecher der Interessengemeinschaft bestimmt wurde, und seine Nachbarn wollten außerdem wissen, welche finanzielle Belastung auf sie zukommt.
Nicht zuletzt hing aber auch der Verkauf des ehemaligen Klee-Gartencenters an Obi in der Schwebe, da auch dort Flächen für die Umgehungsstraße reserviert waren.
Die Stadt sah ihrerseits hingegen die Hände gebunden, verwies auf den Landesbetrieb Straßen NRW, dem die Planung der B229n oblag, und von dem keine verbindlichen Informationen zu bekommen seien. Tatsächlich befand sich das Verfahren noch im Vorfeld der Linienbestimmung, wie ein Mitarbeiter des Landesbetriebes auf BM-Anfrage erläuterte.
Diesen Schwebezustand hat der Rat in seiner Sitzung gestern Abend beendet. Er hat das Amt Straßen NRW aufgefordert, die Planungen für die Umgehungsstraße fallen zu lassen. Wie Ratsmitglied Wolf Lüttinger (FDP) zudem anregte, sollten somit frei werdende Kapazitäten dafür genutzt werden, die Planungen für die Umgehungsstraßen B 51n in Bergisch Born und B 237n zwischen Bergisch Born und Hückeswagen voranzutreiben.
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