Remscheid: Rektoren schwer zu finden
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 08.04.2008Remscheid (RPO). In Remscheid sind zurzeit drei Schulleiter-Stellen unbesetzt. Die Suche nach einem neuen Chef gestaltet sich vor allem an der Grundschule Mannesmann schwierig.
Chef einer Schule zu sein, ist offenbar kein Traumjob. Überall im Land können einige der frei werdenden Stellen von Rektoren an Grund- und Hauptschulen nicht gleich wieder besetzt werden, weil geeignete Bewerber fehlen. In Remscheid sind nach Aussage von Schulrätin Anne Hackländer zurzeit drei Leiterstellen unbesetzt: an der Hauptschule Klausen, an der Katholischen Grundschule Lüttringhausen und an der Gemeinschaftsgrundschule Mannesmann. „Hier ist die Situation schwieriger, weil auch die Konrektorstelle vakant ist“, berichtet Hackländer.
Die Grundschule Mannesmann werde kommissarisch geführt. Mehrfach habe die Bezirksregierung die Stelle ausgeschrieben, nachdem der bisherige Rektor, Norbert Hellwig, im vergangenen Sommer in Ruhestand ging. „Heutzutage geschieht dies nicht mehr in den Mitteilungsorganen, sondern nur noch online“, erläutert die Schulrätin das Verfahren. Nicht allein Desinteresse von Pädagogen an der verantwortungsvollen Leiterstelle mag eine Ursache sein. Eine kleine Grundschule zu leiten, sei auch finanziell nicht sehr attraktiv.
„Ein Studienrat verdient mehr“, kommentiert Jürgen Gottmann, Vorsitzender der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) in Remscheid und seit 33 Jahren Leiter der Grundschule Goldenberg. Dabei müsse ein Rektor viel Zeit für Verwaltungsaufgaben opfern und trage eine hohe Verantwortung. In den vergangenen Jahren sei der bürokratische Aufwand enorm gestiegen. Ständig trudelten neue Erlasse sein, müssten Statistiken (z.B. Schülerzahlen, Anzahl der Lehrkräfte) erstellt werden, die in Düsseldorf aber nicht zeitnah berücksichtigt würden. „Man kämpft ständig zwischen den Fronten. Da muss man ein breites Kreuz haben“, meint Gottmann.
Die Entlastung von der Unterrichtsverpflichtung sei vergleichsweise gering: Bei einer mittelgroßen Grundschule werde der Rektor für die Leitungsfunktion nur zwölf Stunden freigestellt, 16 Unterrichtsstunden steht er selbst noch vor der Klasse. „Die Leiterin einer Kindertagesstätte ist völlig freigestellt“, vergleicht der GEW-Vorsitzende.
In seinen Augen hakt’s aufgrund gesetzlicher Vorschriften bei der Wiederbesetzung. Die Schulkonferenz wählt den neuen Chef/die neue Chefin für fünf Jahre auf Probe Danach könne er sich zur Wiederwahl stellen. Diese Regelung gefährde die Unabhängigkeit des Schulleiters. Nach Auffassung des Gewerkschafters muss sich einiges ändern, um den „Job“ wieder attraktiver zu machen: mehr Zeitressourcen, Entrümpelung der Bürokratie und finanzielle Anreize.
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