Remscheid: Resonanz fehlt – Berufsakademie sagt ab
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 18.11.2009Remscheid (RPO). Die Hessische Berufsakademie (BA) wird sich in Remscheid nicht niederlassen. Das teilte gestern die Stadtverwaltung in einer gemeinsam mit der BA verfassten Presserklärung mit. Das Projekt sei "nicht auf das zuvor erwartete Interesse gestoßen", wird ein Geschäftsleiter der Akademie zitiert. Oberbürgermeisterin Beate Wilding äußert sich in derselben Presseerklärung enttäuscht: "Die Region hatte eine riesige Chance, ein unternehmensnahes Hochschulangebot (...) zu erhalten. Diese Chance ist vertan."
Blumige Worte zu Beginn
Die erste Presserklärung zu diesem Projekt im Februar dieses Jahres hatte noch ganz anders geklungen. In blumigen Worten wurde verkündet, dass es Wilding gelungen sei, mit der Hessischen BA einen akademischen Bildungsträger für den Standort Remscheid zu interessieren. Ein Erfolg, mit dem die OB vor der Kommunalwahl offenbar punkten wollte.
Doch das Bemühen der Stadtverwaltung, eine entsprechende Einrichtung nach Remscheid zu holen, war vor allen Dingen auch eine Antwort auf Klagen von Unternehmern, die ihren Nachwuchs zur Ausbildung in Dualen Studiengängen teilweise bis nach Sachsen schicken mussten.
Das Interesse für das Angebot der Hessischen BA war jedoch von Anfang an verhalten. Ein solches Angebot muss sich auf zwei Säulen stützen – zum einen ist eine ausreichend große Nachfrage der Studierenden vonnöten, zum anderen müssen genügend Betriebe zur Kooperation mit der BA bereit sein, damit diese ihre Studiengänge passgenau auf die Bedürfnisse der Wirtschaft zuschneiden kann. "Diese Resonanz war einfach nicht da", sagt Jürgen Schrage, bei der BA zuständig für das Produktmanagement. Ansonsten will er sich zu dem Fall nicht mehr äußern.
Auch das Bestreben Wildings, das Projekt nicht mehr mit ihrer Person in Verbindung zu bringen, um es nicht zu einem Politikum werden zu lassen, half nicht mehr. Ein letztes Gespräch der BA-Mitarbeiter mit ortsansässigen Unternehmern Ende Oktober brachte die Erkenntnis, dass sich eine Ansiedlung in Remscheid nicht lohnt.
Dass damit eine Chance vertan wäre, sieht Friedhelm Sträter, Präsident der Bergischen Industrie- und Handelskammer (IHK), die dem Projekt stets abwartend bis skeptisch gegenüber stand, anders. "Ich finde, wir haben jetzt die große Chance, gemeinsam mit der Bergischen Universität am Standort Remscheid die duale Ausbildung im Bereich der Hochschule voranzubringen", sagte Sträter gestern beim IHK-Empfang im Restaurant "Schützenhaus". Eine Studie der Bergischen Entwicklungsagentur habe den Bedarf aufgezeigt.
"Wir wollen etwas aus der Region heraus machen", ergänzte IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Wenge gestern im BM-Gespräch. Dazu müsse man auch das Berufsbildungszentrum (BZI) mit ins Boot holen. "Wir kriegen das auch ohne die Hessen hin."
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