Remscheid: Ringen um die Bücherei
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 14.11.2008Remscheid (RPO). Ein Jahr nach dem Schließungsbeschluss des Rates gibt es noch kein Konzept, wie eine Medienausleihe in Lüttringhausen erhalten bleiben könnte. Schulen beklagen den Verlust an Bildungschancen.
Gut ein Jahr nach dem Beschluss des Stadtrates über das Sparpaket ist völlig offen, ob und wie die Stadtteilbibliothek Lüttringhausen gerettet oder ein anderes Ausleih-Angebot an Medien aufgebaut werden könnte – die Schließung steht 2011 an, wenn der Mietvertrag für die Räume ausläuft. Dass seither keinerlei Vorschläge erarbeitet wurden, obwohl sich die Mitglieder des Vereins „Die Lütteraten“ als große Unterstützer für die Bildungseinrichtung engagieren, weckte in der Sitzung der Bezirksvertretung Lüttringhausen Verwunderung – und eine kontroverse Diskussion.
Lütteraten
Die „Lütteraten“ sind ein Förderverein, der sich auf ehrenamtlicher Basis für die Belebung und Attraktivierung der Stadtteilbücherei Lüttringhausen einsetzt. Ein Ferienprogramm und Lesungen zählen zum Angebot. Deutlich gemacht hat der Vorstand aber, dass der Verein die Einrichtung nicht übernehmen könne.
Weil offenbar die Hoffnungen auf Gesamt-Bibliotheksleiter Jürgen Brüninghaus ruhten, stellte dieser klar, dass er als Beamter strikt an das politische Votum gebunden sei. Zur Erinnerung: Ein Einsparvolumen von 87 000 Euro soll die Schließung laut Rödl-Gutachten bringen, 75 000 Euro davon sind Personalkosten. Grünen-Sprecher Stephan Jasper fragte kritisch nach, wie realistisch denn diese Summe sei, weil die Mitarbeiter aus Lüttringhausen nicht einfach entlassen werden könnten – eine Antwort bekam er nicht.
Als Bezirksvertreter Fragen nach anderen möglichen Einsparungen im Bibliothekswesen oder nach einer Revision des Ratsbeschlusses aufwarfen, warnte Kämmerer Burkhard Mast-Weisz davor, die Entscheidung des Rates in Frage zu stellen. Die Glaubwürdigkeit von Politik stehe auf dem Spiel – nicht zuletzt angesichts der Haushaltslage: rund 73 Millionen Euro Defizit in diesem Jahr und Kassenkredite von 400 Millionen Euro.
Auslöser für den Disput war ein flammendes Plädoyer von Wolfgang Luge, ehemals Leiter der Hauptschule Klausen, für die Bücherei „als unverzichtbarem verlängertem Lernort“. Rund 1200 Lüttringhauser Schüler seien Kunden der Stadtteilbibliothek. Nachweislich fördere das Lesen die Sprachkompetenz. Luge zitierte Worte des Bundespräsidenten über die Bedeutung des Buches. „Wir sind bestürzt über die Kürzungspläne und hoffen, dass Sie Perspektiven entwickeln“, appellierte der Pädagoge.
Trotz der angekündigten Schließung gingen die Ausleihzahlen in Lüttringhausen nicht zurück, bilanzierte Brüninghaus auf Nachfrage. Er könne zwar Anschaffungskosten für Medien innerhalb des Etats anders verteilen und das Personal vielleicht durch Ehrenamtliche ersetzen. Aber all dies führe nicht zum gewünschten Spareffekt. Auf der Liste der Einsparungen im Bibliothekswesen stehe auch die Mobilothek, die eingestellt wird, sobald das Fahrzeug aus Altersschwäche seinen Dienst versagt.
Auf Initiative von Mast-Weisz werden Fraktionsvertreter, Verwaltung und „Lütteraten“ im Januar ein – wahrscheinlich letztes – Gespräch über ein alternatives Bücherei-Modell führen. „Aber eins zu eins ist die Bibliothek nicht zu erhalten“, unterstrich Mast-Weisz gestern im BM-Gespräch. KOMMENTAR
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