Remscheid: Sana schließt Biofeedback
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 03.11.2007Remscheid (RPO). Das Klinikum streicht die Therapie für Menschen mit Lähmungen aus ihrer Angebotspalette. Die Abteilung habe Verluste eingefahren, sagte Geschäftsführer Oliver Bredel. Mitarbeiter seien entlassen worden.
Menschen mit Lähmungen, die Hoffnungen auf eine alternative Therapie setzen, müssen sich umorientieren: Das Sana-Klinikum hat die „Biofeedback-Abteilung“ aus Kostengründen geschlossen, obwohl das Team mit dieser Behandlungsmethode in Kombination mit Physiotherapie beachtliche Genesungserfolge bei Patienten vorweisen konnte. Bereits im Rahmen des Sozialplans im Frühjahr seien die Physiotherapeuten – bis auf eine Ausnahme – entlassen worden, sagte Sana-Geschäftsführer Oliver Bredel auf Nachfrage der BM. Die Geräte stünden nur noch für den internen Gebrauch zur Verfügung.
Die Abteilung war 2002 als erste dieser Art in Europa am Remscheider Klinikum eingeweiht worden. Patienten aus dem In- und Ausland ließen sich hier behandeln. Bereits ein Jahr später wurden Wartelisten geführt, weil sich die Erfolge dieser Therapie nach Bernard S. Brucker aus den USA herumgesprochen hatten.
Die Therapie
Die Biofeedback-Therapie nach Bernard S. Brucker ist eine Therapie des permanenten Lernens. Nicht zerstörte Zellen im geschädigten Körperteil sollen dabei befähigt werden, die Funktionen der zerstörten Zellen zu übernehmen. Über Elektroden und einen Monitor werden nicht erkennbare Reaktionen sichtbar gemacht.
Menschen mit Lähmungen nach Schlaganfall, Rückenmarkverletzungen, Querschnittslähmungen, spastischen Lähmungen, Schädel-Hirn-Verletzungen oder mit anderen Bewegungsstörungen wurden dank der Therapie beweglicher, weil Muskeln über die Methode eines Feedbacks (Rückmeldung) am Computerbildschirm nach und nach wieder reaktiviert werden konnten.
Brucker, der die Therapie entwickelt hatte, konnte sogar einem Pianisten mit gelähmten Arm dazu verhelfen, wieder normal Klavier zu spielen.
Weil die Behandlungsmethode sehr jung und von den Krankenkassen noch nicht anerkannt ist, mussten die Patienten diese medizinisch-therapeutischen Leistungen aus eigener Tasche bezahlen – möglicherweise ist dies ein Grund für rückläufige Patientenzahlen. Wie Bredel erklärte, seien die Umsätze der Abteilung stark zurückgegangen. „Sie hat Verluste eingefahren, die über das Krankenhaus-Budget nicht aufgefangen werden konnten.“ Die Kosten für Personal, Lizenzen und Material hätten den Rahmen gesprengt.
Bredel erinnerte an das hoch gesteckte Ziel, das Sana-Klinikum aus den tiefroten Zahlen zu führen – auch über Personaleinsparungen. Wie berichtet, hatte das Klinikum die beiden letzten Geschäftsjahre mit jeweils 5,5 Millionen Euro Minus abgeschlossen.
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