Remscheid: Schicksalen auf der Spur
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 26.10.2007Remscheid (RPO). Sie mögen auf den ersten Blick klein und unscheinbar wirken, aber sie verfehlen ihre Wirkung nicht. Die Aktion „Stolpersteine“ zieht weite Kreise: Zum fünften Mal werden diese im Boden eingelassenen Quader, in die die Namen von Opfern eingraviert sind, verlegt. Nächsten Mittwoch, 31. Oktober, werden an acht Stellen 18 solcher Steine genau dort eingelassen, wo die Ermordeten einst in Remscheid lebten.
So wird zum Beispiel an der Alten Bismarckstraße ein Stein zum Gedenken an Rosa Häusler gesetzt. Welche Wertschätzung diese Zeichen gegen Gewaltherrschaft erfahren, zeigt der Besuch von Nachfahren des Opfers. Sie reisen teilweise sogar aus Israel an, um dem feierlichen Akt beizuwohnen. Der Stolperstein wird die Inschrift tragen: „Hier wohnte Rosa Häusler geb Vogel Jg. 1878 deportiert 1942 ermordet 1943 in Auschwitz“.
59 solcher Gedenkstellen wurden bereits eingeweiht. Auf Initiative von Remscheider Bürgern, der beiden großen christlichen Kirchen und des Vereins der Verfolgten des Naziregimes/Bund der Antifaschisten wurde die Aktion ins Leben gerufen - als Symbol der Bürgerschaft zu ihrer Geschichte, auch wenn es ein düsterer Kapitel aufschlägt. Widerstand leisten gegen das Vergessen und die Schicksale von Remscheidern in der Erinnerung wach zu halten, die unter dem Nazi-Regime ermordert wurden, lautet der stille Appell.
Ziel: Für jedes Opfer
Jene Steine tragen eine Messingtafel, in die persönliche Daten von Opfern des Nazi-Terrors eingraviert sind. Sie wurden an Stellen in den Boden eingelassen, wo die Opfer einst lebten. Etwa 150 jüdische Mitbürger fielen in der Werkzeugstadt dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer. Die Initiatoren wünschen sich, dass für jedes Opfer ein Stolperstein verlegt wird.
Vielleicht würde sonst niemand über die Zwillinge Rivkah und Channah Becker sprechen, die an der Brüderstraße lebten, 1940 ausgewiesen und 1942 im KZ Buchenwald ermordet wurden. Mit einem Kinderfoto der beiden mit ihrem später ebenfalls ermordeten Bruder Isaak suchte die in New York lebende Tante 1946 ihren Angehörigen. In der Holocaust-Gedenkstätte in Jerusalem wurden Gedenkblätter hinterlegt – 53 Jahre nachdem ihre Tante sie vergeblich gesucht hatte.
Dass Geschichte anhand von Einzelschicksalen lebendig wird, stellte eine Schülerin des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums fest, die in den Schularchiven blätterte. Dort entdeckte sie die Namen Helmut Lazer und Simon Häusler, die als Schüler dieses Gymnasiums ausgewiesen und 1939 im besetzten Polen ermordet wurden. Am 31. Oktober, 9.30 Uhr, werden Stolpersteine mit ihren Namen im Eingangsbereich verlegt. Ein jüdischer ehemaliger Schüler, Sigmund Freunde, dem vergangenes Jahr das Ehren-Abitur verliehen wurde, wird dem feierlichen Augenblick beiwohnen.
(Aktion Verlegung Stolpersteine, Mittwoch, 31. Oktober, ab 9 Uhr, vor dem Gebäude Brüderstraße 3.)
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