Remscheid: Schul-Stress mit doppelter Elf
VON DÉSIRÉE LINDE - zuletzt aktualisiert: 04.09.2010Remscheid (RPO). Zu volle Stundenpläne, zu wenige Bücher: An den Remscheider Gymnasien gibt seit den Ferien doppelt so viele Elftklässler, weil die gymnasiale Zeit verkürzt wurde. Die Schulen haben mit der Organisation zu kämpfen.
In dieser Woche hatte Heinz Hans Schumacher immer wieder verzweifelte Schüler in seinem Büro stehen. Die besonders "harten Fälle" hatten die Jahrgangsstufenleiter direkt zum Rektor des Ernst-Moritz-Arndt-Gymnasiums (EMA) geschickt. "Es kann sein, dass ein Schüler elf Stunden an einem Tag hat", sagt Schumacher. Das hieße Schule bis nach 17 Uhr. Andere Schüler hatten extrem lange Tage und viele Freistunden zwischen ihren Kursen. "Die haben dann natürlich gesagt: ,Es kann nicht sein, dass ich für diese eine Stunde nochmal herkommen muss'", berichtet Schumacher.
Schüler sind verunsichert
So geht's weiter
Politik Die neue Landesregierung will es den Schulen überlassen, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten – oder beides.
Remscheid Die Remscheider Gymnasien wollen eine gemeinsame Linie finden. Wie die aussehen könnte, etwa dass manche Schulen beides anbieten, ist aber noch offen.
Die vier Remscheider Gymnasien kämpfen derzeit mit der doppelten Jahrgangsstufe elf. Weil die Gymnasialzeit von neun (G 9) auf acht Jahre (G 8) verkürzt wird, sind die Jahrgangsstufen elf nach den Sommerferien doppelt so groß wie vorher: Sie bestehen aus den "normalen" Elfern, die ihr Abitur nach neun Jahren machen, den G-Neunern, und denen, die also die zehnte Klasse quasi überspringen, den G-Achtern. Schumachers Kollege vom Gertrud-Bäumer-Gymnasium berichtet ebenfalls von Anlaufschwierigkeiten: "Die Schüler sind verunsichert", sagt Michael Birker.
"Das Problem ist, dass die G-Achter mehr Unterricht haben als die G-Neuner, um den Stoff zu schaffen", sagt Schumacher, insgesamt sind es vier bis fünf Wochenstunden mehr. Die G-Neuner wiederum haben deshalb jetzt viele Löcher im Stundenplan. "Da braucht es schon eine ganz hohe Disziplin, um die Springstunden zu nutzen und ordentlich zu arbeiten", sagt Schumacher. Das EMA justiert bei den Stundenplänen deshalb nach.
Die Probleme kennt auch Thomas Giebisch, neuer Leiter des Leibniz-Gymnasiums. "Wir haben die Schüler vor die Wahl gestellt: mehr Wahlmöglichkeiten oder einen Unterrichtsblock weniger?", sagt Giebisch. Ein Block mit Fächerangeboten weniger heißt, dass weniger Freistunden anfallen. Die Schüler hätten sich statt für einen strafferen Stundenplan für mehr Wahlmöglichkeiten entschieden.
Zudem kommen scheinbar profane, logistische Schwierigkeiten. "Wir brauchen praktisch doppelt so viele Bücher für die Fächer, in denen beide Gruppen gemeinsam unterrichtet werden", sagt Giebisch. Alle Gymnasien mussten zusätzliche Bücher anschaffen. "Aber wir haben versucht, Gesamtbände zu nehmen, die wir auch in den nächsten Jahren noch verwenden können", sagt Giebisch. Ähnlich ging auch das Röntgen-Gymnasium vor. Heinz Dörpinghaus, stellvertretender Leiter, wünscht sich erstmal, dass Ruhe in den Schulbetrieb einkehrt. "Es wäre absoluter Irrsinn, jetzt wieder etwas zu ändern."
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