Remscheid: Schulbücher – Geld reicht nicht
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 15.04.2008Remscheid (RPO). Die Lehrergewerkschaft GEW fordert einen höheren Etat für Lernmittel. Weil die Stadt als Schulträger ihren Anteil nicht (wieder) erhöht und 2009 ein neues Fach hinzukommt, drohe bei Neuanschaffungen ein finanzieller Engpass.
Die GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) in Remscheid fordert die Stadt als Schulträger auf, mehr Geld für Schulbücher bereit zu stellen. „Wer zocken kann, muss auch Geld für Kinder haben“, spielt deren Vorsitzender, Jürgen Gottmann, in einer Pressemitteilung auf den Millionenverlust der Stadt durch Zinsspekulationen an. Der Auslöser für die Kritik: Die Kommune hat ihren Anteil an den Kosten für Bücher bisher nicht erhöht (wie andere Städte), somit stehe weniger Geld zur Verfügung – statt durchschnittlich rund 36 Euro pro Schuljahr und Kind nur 28,50 Euro, rechnet die GEW vor.
Nach ihrer Auffassung müsse die Stadt nachlegen, weil die auf fünf Jahre befristete Regelung bei der Lernmittelfreiheit ausläuft: Landesweit müssen die Eltern dann nicht mehr die Hälfte, sondern wieder „nur“ ein Drittel der Durchschnittskosten für Schulbücher zahlen, der Schulträger also zwei Drittel. Gottmann: „Dies tut er aber nicht, er zahlt weiter nur die bisherigen 16,50 Euro.“ Dass der ohnehin kleine Betrag, der „eh vorne und hinten nicht reicht“, ausgerechnet in dem Schuljahr gesenkt wird, in dem Englisch ab Klasse eins als neues Fach eingeführt wird, hält die GEW für nicht hinnehmbar. Für das neue Fach benötige man eine komplette Neuausstattung, stellt Manfred Halbach, Rektor der Grundschule Adolf-Clarenbach, fest. Dazu zählen Medien und Bücher für jeden Schüler. Im ersten Schuljahr kommen so pro Kind nicht 36, sondern unterm Strich sogar 69 Euro zusammen. Auch weil die Bücher nach einem Jahr verbraucht sind, also nicht ein weiteres Schuljahr benutzt werden können. Das sind rund 2300 Euro allein für „seine“ Erstklässler.
Den Vorwurf von Kürzungen weist das Schulverwaltungsamt von sich. Einige Städte hätten bei Einführung der „50/50-Regelung“ ihren Schulbuchetat gekürzt, Remscheid jedoch nicht, stellt dessen Leiter Jörg Biermann auf Nachfrage der BM fest. Der ungekürzte Etat gelte zudem gegenüber dem Schuljahr 2000/01 für 1000 Grundschüler weniger. Remscheid zahle fast das Maximum des gesetzlich vorgeschriebenen Anteils. Sollten die Gelder wegen Einführung des Fachs Englisch nicht reichen, müsse der Mehrbedarf zunächst ermittelt werden. Dass Eltern mehr zur Kasse gebeten werden sollen, sieht Ilona Bauer-Völker, dreifache Mutter, nicht ein. Die finanzielle Belastung sei ohnehin hoch. „100 Euro kosten die Materialien während der Grundschulzeit ohne Schulbuchanteil, ca. 170 bis 180 Euro die Klassenfahrt“, sagt die Lüttringhauserin, die eine Klassenkasse der Clarenbach-Schule führte.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



