Remscheid: "Schule ist keine Lernfabrik"
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 14.07.2010Remscheid (RPO). Die Direktorin des Leibniz-Gymnasiums, Gisela Bölling, verabschiedet sich in den Ruhestand. Viele Reformen und Herausforderungen hat sie mit dem Kollegium gemeistert. Pädagogische Ziele behielt sie stets im Auge.
Nach vielen Jahren im Schuldienst hat Gisela Bölling Reformen kommen und gehen sehen. "In einem Schuljahr hatte ich es mal mit vier verschiedenen Prüfungsordnungen zu tun. Und es gab nicht einen Jahrgang, der sich in dieser Hinsicht nach dem Muster der Vorgänger richten konnte", sagt die Direktorin des Leibniz-Gymnasiums, die Ende des Monats in den Ruhestand wechselt.
1989 kam die in Düsseldorf lebende Pädagogin zunächst als stellvertretende Leiterin an die Remscheider Schule, acht Jahre später wurde sie in das Amt der Schulleiterin eingeführt. "Das ist eine lange Zeit, in der man doch so manche Erfahrung gemacht hat", sagt Gisela Bölling lächelnd. Viele Herausforderungen wie die Einführung des Zentralabiturs oder die Verkürzung der Schulzeit kamen von außen. Andere Veränderungen haben Schulleitung und Kollegium selbst in die Hand genommen. "Wir haben uns angestrengt, damit das Leibniz-Gymnasium seinen festen Platz in der Remscheider Schullandschaft behält", spielt sie auf die unsichere Situation nach der Verlagerung von der Brüderstraße ins Schulzentrum Klausen an.
Der neue Direktor
Nachfolger Am 1. August übernimmt Dr. Thomas Giebisch die Leitung des Leibniz-Gymnasiums. Hier war der Solinger war bereits als Lehrer für Mathematik und Musik tätig. Durch Qualifizierungsmaßnahmen hat er sich auf seine neue Aufgabe vorbereitet.
Übergabe Der Wechsel in der Schulleitung wird am 3. September mit einer festlichen "Staffelstabübergabe" vollzogen.
Freiarbeit eingeführt
Mit der Einrichtung der Freiarbeit ging man gemeinsam neue pädagogische Wege – ein Projekt, das allen Beteiligten "viel Energie abverlangt hat". Obwohl sich die 62-Jährige in ihrer Funktion an der Spitze der Schule um Verwaltungsaufgaben, Unterrichtsverteilung, Stundenpläne, Lehrerausbildung, den Neubau der Aula oder jüngst um die Sanierungsarbeiten am Schulgebäude kümmern musste, hat sie den Kontakt zu den Schülern nicht verloren. "Selbst zu unterrichten, war mir immer wichtig", hebt die Lehrerin für Geschichte, Sozialwissenschaften und Französisch hervor.
Kommt man auf die aktuelle Schülergeneration zu sprechen, will Gisela Bölling nicht ins Klagelied über eine desinteressierte oder desorientierte Jugend einstimmen: "Die Jugendlichen sind Kinder ihrer Zeit. Insofern verändern sich die Fragestellungen, auf die sie reagieren und mit denen sie sich beschäftigen." Sie habe Schule auch nie als bloße Lernfabrik verstanden wissen. Natürlich müssten junge Menschen auf künftige Ausbildungswege gut vorbereitet werden. Doch ihnen Werte und Toleranz zu vermitteln und sie in ihrer persönlichen Entwicklung zu stärken, müsse neben der Wissensvermittlung ebenso eine große Bedeutung haben. Ihren Abschied vom Schulleben hat Gisela Bölling gut vorbereitet. Sie freut sich, nun endlich einmal mehr Zeit für ihre Familie und Freunde zu haben. Gerne komme sie als Gast ins Leibniz-Gymnasium.
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