Remscheid: Schule ohne Sitzenbleiben
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 02.09.2009 - 10:39Remscheid (RPO). Der Schülerrückgang erreicht jetzt auch die Rudolf-Steiner-Schule in Bergisch Born. Während die Waldorfschule bisher Wartelisten führte, gibt es zum ersten Mal noch einige freie Plätze in den Jahrgangsstufen 1 und 2.
Wer einen Schulwechsel wünscht, könne sein Kind nachträglich anmelden. „Viele wissen offenbar nicht, dass wir eine Gesamtschule sind und die Klassen 1bis 13 führen“, sagte Lehrer Udo Wehr gestern bei einem Pressegespräch. Das spürt das Kollegium alljährlich bei den Anmeldungen zu den weiterführenden Schulen.
Wegen großer Nachfrage führt die Rudolf-Steiner-Schule eine Warteliste: Nach der Grundschule drängten viele auf die Waldorfschule, weil Eltern eine Alternative zu den staatlichen Schulen suchen. Sie wüssten oft nicht, dass hier auch schon die Primarstufe angeboten wird und der Klassenverband über die Jahre erhalten bleibt.
„Für diese Seiteneinsteiger haben wir daher nur sehr wenige Plätze“, ergänzt Elke Fax, Geschäftsführerin der Schule. In Gesprächen prüfen das Kollegium und Elternvertreter, ob ein Kind aufgenommen werden kann. Von Vorteil sei, wenn Eltern sich mit dem etwas anderen Schulsystem vertraut machen - und mehr wissen, als dass es bis Klasse11 oder 13 kein Sitzenbleiben gibt.
Das Prinzip der Waldorfpädagogik beruhe auf Kontinuität, erinnern beide Pädagogen. Bis Klasse8 haben die Schüler einen Klassenlehrer, der die Kernfächer unterrichtet. Für den Fachunterricht werde die Klasse geteilt oder gedrittelt. Später kommen Fachlehrer für so genannte Üb-Fächern (Englisch, Französisch, Mathe) hinzu, eingeschoben wird stets der Epochenunterricht, über Tage dreht sich beispielsweise alles um Erdkunde. Der Lehrplan orientierte sich an der Entwicklung des Kindes. „Der Unterricht ist ganzheitlich ausgerichtet“, betonte Wehr. Ebenso wichtig sei die fast familiäre Atmosphäre, in der jeder jeden kenne.
Waldorfschulen sind eine Art kleines Unternehmen, das Lehrer und Eltern gestalten. Mitwirkung werde groß geschrieben. Jeden Monat gibt es einen Elternabend. Tatkräftige Hilfe bei Schulfesten und in Elternkreisen ist erwünscht. Und auch finanziell sei Unterstützung erforderlich.
Je nach Einkommen zahlen die Eltern einen monatlichen Beitrag. Wie an anderen Gesamtschulen können die Schülder der 13. Klasse das Abitur machen. Seit Einführung des Zentralabiturs wird der gleiche Stoff abverlangt wie an staatlichen Schulen - „es wird dann extrem gepaukt“, sagte Wehr. Trotzdem spielen die Bereiche „Schauspiel“ und „Werken“ eine tragende Rolle.
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