Remscheid: Schulen fehlen die Lehrer
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 27.01.2010Remscheid (RPO). An Grundschulen fällt zurzeit massiv Unterricht aus. Die Mittel für Vertretungskräfte reichen bei Dauererkrankungen nicht aus. Zudem seien Lehrerstellen falsch berechnet, sagt die GEW.
Lehrerbedarf
Bedarfsdeckung Der Lehrerbedarf richtet sich nach der Zahl der Schüler. In Zeiten des Lehrermangels lag er unter 100 Prozent, rein rechnerisch laut Land bei 107 Prozent bei den Grundschulen.
Vertretung Kurzfristige Vertretungen müssen die Lehrerkollegien organisatorisch regeln. Bei langzeiterkrankungen werden zusätzlich Lehrkräfte benötigt.
Unterrichtsausfall gehört zum Schulalltag. 30 Erstklässler der Schule Struck haben beispielsweise seit Beginn des neuen Jahres keinen Sportunterricht mehr. "Gerade weil so viele Schüler in der Klasse sind, ist das sehr schade", beklagte sich Schülervater Nasif Altundag bei der BM. Schulrätin Anne Hackländer bestätigte auf Nachfrage der BM für die Grundschulen die belastende Situation, weil zum 1. Februar keine Lehrer eingestellt werden konnten. Es gebe aber dramatischere Beispiele als Struck.
Erste Lücken werden gestopft
Zumindest gab es aus Düsseldorf just gestern eine leichte Entwarnung: Gelder für Vertretungen fließen. Zum 1. Februar können Schulen mit Pädagogen befristete Verträge abschließen, um Lücken in den eigenen Reihen zu stopfen, berichtete Hackländer. Finanziert werden diese "Aushilfen" aus dem Topf "Flexible Mittel für Vertretungen". Er war Ende 2009 erschöpft – mit der Folge, dass einige befristet eingestellte Lehrer nicht weiter beschäftigt werden konnten, obwohl sie als Vertretungskräfte dringend gebraucht wurden.
Die nun bewilligten Gelder wirken aber wie ein Tropfen auf dem heißen Stein. In den Augen Jürgen Gottmanns, GEW-Vorsitzender und Personalratsvorsitzender für Lehrer in Düsseldorf, hat der Unterrichtsausfall strukturelle Ursachen: "Die Zahlen für den Lehrerbedarf sind geschönt."
Auf dem Papier weise Remscheid bei den Grundschulen zwar im Schnitt eine 107-prozentige Bedarfsdeckung auf. Eingerechnet seien darin aber bereits die Vertretungkräfte. Lehrerstunden, die eigentlich speziell für Fördermaßnahmen an Schulen mit Problemeinzugsbereich bewilligt wurden, werden im Schulalltag verwendet, um die normale Stundentafel anzudecken. "Und dann hatten wir noch seit Jahresbeginn eine Durststrecke zu bewältigen", sagt Gottmann. Denn eigentlich sollten Lehrer landesweit eingestellt werden. Wie berichtet, pfiff sie das Land aufgrund von "Falschberechnungen" wieder zurück. In Remscheid seien zudem die sechs Lehrer aus dem Vertretungs-Pool bereits dauerhaft eingebunden, ergänzte Anne Hackländer. Und schließlich ließen die heiß ersehnten "flexiblen Mittel" für Lehrer mit befristetem Vertrag bis gestern auf sich warten.
"Die Kollegen sind kaputt"
Gottmann bezeichnet die Situation als skandalös. "Es ist falsch, den Schwarzen Peter den Schulen zuzuschieben. Wir sind einfach knapp besetzt." Nicht zuletzt verschärfe dies die Belastung der Lehrer, was zu längeren Erkrankungen führe. "Die Kollegen sind kaputt." Der Job sei hart, die Anforderungen gestiegen. Zudem habe man ein überaltertes Lehrerklientel. KOMMENTAR
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