Remscheid: Schulen sind nicht brandsicher
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 02.12.2011Remscheid (RP). Die Remscheider Schulen stehen auf dem Prüfstand. Nachdem der Brandschutz lange nicht mehr kontrolliert wurde, beurteilen Experten die Lage jetzt strenger. Schülerkunst musste aus den Gängen verschwinden.
Über Stofffahnen im Klassenzimmer oder Bilder an den Wänden hat sich in den vergangenen Jahren an den Schulen kaum jemand Gedanken gemacht. Nun müssen sie entfernt werden, weil sie als potenzielle Brandquellen gelten. So wurden auf Drängen des Bauordnungsamtes am Gertrud-Bäumer-Gymnasium – unter Protest – alle Bilder abgehängt. Grund: Der bauliche Brandschutz ist mangelhaft. Es fehlen Zwischentüren, die Brandherde abschotten, sagt Thomas Judt vom Gebäudemanagement.
Unruhe in Schulen wächst
Das Beispiel am GBG sorgt jetzt für Unruhe an anderen Schulen. "Die rigiden Vorschriften kollidieren mit pädagogischen Zielen", sagt Sabine Ernst, Leiterin der Alexander-von-Humboldt-Realschule. "Schüler gehen mit dem Gebäude pfleglicher um, wenn sie es selber mitgestalten." "Wir machen alle Schulen sicherer", verteidigt Baudezernent Christian Henkelmann das Vorgehen der Behörde. Die jüngsten zwei Brände in Schulen seien glimpflich ausgegangen. Schlimmere Folgen könne sich jeder ausmalen. Daher dränge er auf strengere Kontrollen.
Mehr Sicherheit
Berichtspflicht Die Kommune muss der Bezirksregierung nachweisen, in welchem Rhythmus sie in welcher Intensität Sonderbauten wie Schulen überprüft.
Brandschutz Beim betrieblichen Brandschutz geht es um regelmäßige Übungen, Fluchtwegepläne, Feuerlöscher. Beim baulichen Brandschutz um feuerhemmende Zwischentüren, ausreichend breite Türen, kurze Fluchtwege.
Neun von 43 Schulen schauten sich Brandschutzexperten – Bauordnung, Feuerwehr, Gebäudemanagement – bisher an, die anderen folgen, berichtet Jörg Biermann, Chef der Schulverwaltung. Dabei werde auf mögliche Brandlasten geachtet. Das kann ein Bild oder ein gefüllter Abfallkorb auf dem Flur sein. Die Garderoben in den Fluren seien längst entfernt worden.
Wann die letzte Brandschau war, könne er nicht genau sagen, räumte Henkelmann ein, der das Baudezernat seit drei Jahren führt. "Das ist lange her." Kommunen seien verpflichtet, der Bezirksregierung über Kontrollen zu berichten. Diese habe festgestellt, dass Remscheid im Bauordnungsamt 5,5 Stellen zu wenig habe. Ein Personalengpass dürfe nicht zulasten der Sicherheit gehen, sagt Henkelmann. Auslöser für intensivere Überprüfung und höhere Sicherheitsauflagen seien neue Gesetze nach dem Flughafenbrand in Düsseldorf 1996. Nach der Loverparade in Duisburg sei das Gesetz strenger ausgelegt worden, sagt Judt.
Dass Wände dauerhaft nackt bleiben, müsse aber niemand befürchten, betont er. Nach und nach werden Schulen brandschutztechnisch sicherer ausgestattet: Vor allem durch Einbau von Zwischentüren in Fluren soll die Ausbreitung gefährlichen Rauchs verhindert werden. Das ziehe hohe Investitionen nach sich. Judt: "Bei einer größeren Schule ist das schnell eine halbe Million Euro."
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