Remscheid: Schulform nicht aufzwingen
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 23.07.2010Remscheid (RPO). Die Landesregierung führt die Gemeinschaftsschule ein. Das wirkt sich auf kommunale Schulpolitik aus. Rot-Grün in Remscheid will einen Schulkrieg vermeiden, sieht aber bei weiterführenden Schulen Handlungsbedarf.
Gemeinschaftsschule
Ausgangslage Rot-Grün in NRW will die Gemeinschaftsschule einführen. Sie ergänzt die Schulformen Haupt-, Real-, Gesamtschulen und Gymnasien. Kinder lernen bis zur sechsten Klasse gemeinsam, danach kann differenziert werden.
Alle Abschlüsse sind möglich
Diskussion Eine Plattform für die Schuldiskussion in Remscheid ist die Bildungskonferenz mit Vertretern der Politik, Schulverwaltung, Lehrer, Jugendhilfe, Kirchen und Migranten.
Rot-Grün in Düsseldorf ebnet den Weg für die Gemeinschaftsschule. Die neue Schulform soll das bisherige System ergänzen. Sie ermöglicht Kindern nach der Grundschule ein längeres gemeinsames Lernen. Könnte sie in Remscheid andere Schulen verdrängen? Oder droht gar ein Schulkrieg wie in Hamburg, wo ein Volksentscheid die Einführung der sechsjährigen Primarschule kippte? Die BM fragte bei Rot-Grün nach.
Erst die Gesetze abwarten
Trotz der Neuerungen – eine Revolution in der Bildungslandschaft befürchten weder Jutta Velte, schulpolitische Sprecherin der Grünen, noch Schulausschussvorsitzender Hans Peter Meinecke (SPD). "Wir müssen die Gesetze abwarten", sagen beide. Politisch verordnen wolle man die neue Schulform nicht.
Mit dem Ziel der Regierungskoalition, dass bis 2015 die Gemeinschaftsschule ein Drittel aller Schulen ausmachen soll, kommt zumindest Bewegung in die örtliche Schuldebatte. Denn die Kommunen sollen selbst entscheiden, welche Schulformen sie anbieten. Viel Aufklärungsarbeit sieht Meinecke daher in den nächsten Monaten. Er betrachte die neue Schulform zunächst als ein Angebot an Schule und Eltern.
Handlungsbedarf besteht dennoch. Als drückendes Problem empfinden Meinecke und Velte den Anmeldeüberhang beider Gesamtschulen: Aus Platzmangel wiesen sie jedes Jahr etwa sechs Züge und mehr ab. Das heißt, etwa 230 Kinder gehen deshalb zu einer Schule "zweiter Wahl". "Meistens zur Haupt- und Realschule", erinnert Meinecke. Fakt sei, dass es vom Land für Schulneubauten kein Geld geben wird – weder für eine dritte Gesamtschule, noch für eine Gemeinschaftsschule. Folglich müsste eins der beiden Schulzentren (Klausen, Hackenberg) umgewandelt werden, wenn Lehrer dies wünschen und /oder der Druck von Elternseite wächst.
Doch den vermisst Jutta Velte. Anders als in anderen Städten gebe es hier bisher keine Grundschul-Elternpflegschaft, die als Dachorganisation eine weitere Gesamtschule – oder jetzt eine Gemeinschaftsschule – mit Nachdruck fordert. Auch wenn sie für die Gemeinschaftsschule plädiere, wünsche sie sich eine ideologiefreie Debatte, bei der das Kind im Mittelpunkt steht, sagt Velte. Gymnasien kaputtmachen wolle man nicht.
Sie setze auf ein behutsames Weiterentwickeln der "guten Schulstruktur Remscheids". Erster Anknüpfungspunkt sei eine Debatte in der regionalen Bildungskonferenz. Dabei müssten Trends berücksichtigt werden: rückläufige Schülerzahlen, mangelnde Akzeptanz der Hauptschulen, die teilweise nur dank Einpendlern und Zuweisungen aus anderen Schulformen überleben, und die unterdurchschnittliche Abiturquote (rund 30 Prozent eines Jahrgangs, NRW: 38,5 Prozent).
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