Remscheid: Seniorenbeirat tagte in der Moschee
zuletzt aktualisiert: 20.10.2008Remscheid (RPO). Weniger die Punkte auf der Tagesordnung als der ungewöhnliche Tagungsort machten aus der jüngsten Sitzung des Seniorenbeirats eine Besonderheit. Zum ersten Mal tagte das Gremium in der Diyanet-Moschee an der Stachelhauser Straße, wo es im Versammlungsraum von Ömer Hacisalihoglu, dem Vorsitzenden der türkisch-islamischen Union DITIB, begrüßt wurden. Das Treffen zwischen Deutschen und Türken diente in erster Linie dem gegenseitigen Kennenlernen und der Information.
Wünsche und Bedürfnisse
„Wir legen großen Wert darauf zu wissen, welche Wünsche und Bedürfnisse die Senioren anderer Nationalitäten haben“, erläuterte der Vorsitzende des Seniorenbeirates, Georg Gregull. So war dann auch die Verwaltung mit zahlreichen Mitarbeitern vertreten, die die verschiedenen Beratungsangebote der Stadt vorstellten. Wie Martin Sternkopf beim Thema „Wohnberatung“ und Reinhard Dietl zu den Möglichkeiten der Pflegeberatung übereinstimmend erklärten, suchen Migranten bislang nur ganz selten das Gespräch mit den fachkundigen Beratern der Stadtverwaltung. Hier regten die türkischen Vereinsvertreter an, dass die Informationsschriften in ihrer Muttersprache veröffentlicht werden. Ein Wunsch, dem die zuständigen Stellen bereits nachgekommen sind.
Gleichermaßen scheinen es die unterschiedlichen Wertevorstellungen zu sein, die die Migranten bisher davon abgehalten haben, sich durch Außenstehende über Wohnen und Pflege im Alter informieren zu lassen.
„Für die Pflege der Eltern sind immer noch die Kinder zuständig. Das ist noch ganz fest drin in den Köpfen“, erläuterte Esen Burhan, der seit 38 Menschen in Remscheid lebt. Gleichwohl gab es Übereinstimmung darin, dass die gesellschaftlichen Strukturen sich verändern. Auch bei den Zuwanderern sind oft beide Ehepartner berufstätig, so dass die Betreuung der hilfsbedürftigen Eltern nicht mehr in jedem Fall ausschließlich in der Familie erfolgen kann. Für diese Fälle will man gewappnet sein. Zumal allmählich die erste Generation der Einwanderer nun ins Rentenalter eintritt.
Kultur-sensible Angebote
„In fünf Jahren wird uns dieses Thema noch viel mehr beschäftigen. Wir müssen daher frühzeitig für kultursensible Angebote im Bereich des Seniorenwohnens sorgen“, forderte Ramazan Dalgali, türkischer Sozialarbeiter beim Stadtteil e.V.
Dem Vorschlag aus den Reihen des Seniorenbeirates, unter Umständen ein Alten- und Pflegeheim einzurichten, das ausschließlich muslimischen Bewohnern vorbehalten ist, erteilten die Vereinsvertreter eine klare Absage. „Wir wollen doch nicht die Fehler der Vergangenheit wiederholen. Wir müssen die Probleme der Integration gemeinsam lösen und nicht wieder anfangen, Ghettos zu bilden“, sagte Esen Burhan mit Nachdruck.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum



