Remscheid: Straftäter unterstützen
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 11.07.2009Remscheid (RPO). Der Verein "Betreuungshilfe für straffällige Jugendliche" hat seit 2007 große Erfolge erzielt. Jetzt werden dringend weitere ehrenamtliche Mitarbeiter gesucht.
Junge Straftäter durch ehrenamtliche Betreuungshelfer unterstützen – in Remscheid entpuppt sich das bundesweit einmalige Projekt zu einer Erfolgsgeschichte. Richter Uwe Intorf gründete 2007 einen gemeinnützigen Verein. Seitdem wurden 39 Jugendliche zwischen 14 und 20 Jahren begleitet. Zurzeit laufen 18 Betreuungen. 19 Ehrenamtliche zwischen 40 und 70 Jahren aus Remscheid, Wermelskirchen, Rade und Hückeswagen sind im Einsatz. Jetzt sucht der Verein weitere ehrenamtliche Mitarbeiter, "denn zwei Betreuungen zeitgleich sind zu viel. Wir könnten viel mehr jungen Menschen helfen", sagt Intorf.
Die Erfolgsquote ist beachtlich: 80 Prozent der Jugendlichen sind nicht wieder straffällig geworden. Ob Hausfrau, Pfarrer oder Polizist – jeder kann mitmachen. "Das soziale Engagement hört nach einem langen Berufsleben nicht auf", betont Wolfgang Wermke, der als ehemaliger Leiter der Justizvollzugsanstalt in Lüttringhausen seine Erfahrung und Professionalität als Betreuer nun gut gebrauchen kann.
Gute Vernetzung
Das Betreuungsmodell zeichnet sich durch eine gute Vernetzung auf vielen Ebenen aus: Die Jugendgerichtshilfe macht Vorgespräche mit den Jugendlichen, die Bewährungshilfe sucht die passenden Ehrenamtlichen, und Richter Intorf entscheidet über die Betreuung. Scheitert sie, droht dem Jugendlichen bis zu vier Wochen Dauerrarrest. Alle drei Monate erhält Intorf einen Bericht über den Stand der Betreuung.
Interessierte melden sich bei Susanna Wohlfahrt, Tel. 02191 796246.
Soziales Engagement
Friedhelm Haun, Pfarrer am Berufskolleg Wirtschaft und Verwaltung, behandelt gerne die Themen Sühne und Strafvollzug. Drei bis vier Mal pro Jahr besucht er mit Klassen eine Gerichtsverhandlung. Intorf sucht solche Menschen, die ihre Motivation im sozialen Engagement sehen. Betreuungen kämen aber nur für Straftäter in Frage, die noch erreichbar sind, die ihren Halt im Leben noch nicht verloren haben. "Ich hoffe, dass eine Betreuung das erreicht, was die Jugendlichen bislang nicht geschafft haben: mehr Struktur und Perspektive." Wermke trifft zurzeit einen Jugendlichen regelmäßig, der wegen Körperverletzung zweimal im Jugendarrest saß. Er spricht mit ihm, motiviert ihn, stärkt sein Selbstwertgefühl und will ihm vermitteln, sich wieder selbst zu akzeptieren. Nur so werde Vertrauen aufgebaut, "bewusst keine Freundschaft oder Kameradschaft", sagt er. Humor und Spaß seien dennoch wichtig. Bislang hat's geklappt. Der junge Mann hat wieder eine Perspektive.
Wegen Diebstahls im Gefängnis
"Grundvoraussetzung ist die Verlässlichkeit. Und der junge Mensch muss bereit sein, sich zu ändern", ergänzt Haun. Seine Begleitung ist gescheitert. Der Jugendliche sitzt wegen Diebstahls im Gefängnis. "Ich musste einsehen, dass es nichts zu retten gab", berichtet er.
Über ihre Erfahrungen tauschen sich die Betreuer regelmäßig mit Amtsrichter Intorf und Hartmut Hirsch, Leiter der ambulant sozialen Dienste am Landgericht (hierzu gehört die Bewährungshilfe) aus. "Wir unterstützen das Klasse-Projekt gerne", erklärt Hirsch. Bei den Treffen würden rechtliche Fragen geklärt. Ferner gebe es Fortbildungen durch Staatsanwaltschaft, Arge, Polizei, Suchtberatung oder Jugendgerichtshilfe. "Die Betreuer lernen durch ihre Kompetenzen viel voneinander", weiß Hirsch.
Intorf lobt die gute Zusammenarbeit mit der Arge, die Leute ohne Schulabschluss fit für Ausbildung und Beruf macht. Kooperationspartner sind Limes, Internationaler Bund und die Arbeit Remscheid.
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