Remscheid: Strick-Guerilla verschönert die Stadt
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 16.11.2010Remscheid (RPO). Ein Trend aus den USA hat Remscheid erreicht: Eifrige Handarbeiterinnen stricken Verkleidungen für Laternenpfähle, Mülltonnen oder Baumstämme. Fotos davon werden ins Internet gestellt – und tragen so ein ganz neues, buntes Bild von Remscheid in die Welt hinaus.
Remscheider Schick in Strick – so werbewirksam könnte sich die neue Masche der eifrigen Handarbeiterinnen der Musik- und Kunstschule (MKS) beschreiben lassen. Leise klappern die Stricknadeln im Takt. Auf dem Tisch im MKS-Werkraum steht ein Korb mit Brötchen inmitten von quietschbunten Schals, Umhängen, Mützen, Bommeln, Rosetten und Schlaufen. Doch soll mit diesem Potpourri aus Garn und Wolle keine neue Modelinie entwickelt, sondern die Stadt eingekleidet werden.
Blütenanhänger für Laternen
"Guerilla-Knitting" – Guerilla-Stricken heißt der neue Trend, der von Texas seinen Siegeszug über die Welt angetreten hat und inzwischen in der Werkzeugstadt angekommen ist. Ute Lennartz-Lembeck und Judith Mennenöh machen's vor, und immer mehr Kreative mit geschickten Händen machen mit. "Wir bestricken die Stadt und vernetzen uns mit der Welt", ist das Motto der Frauen, die quer durchs Stadtgebiet bereits Hand angelegt haben. Mausgraue Mülltonnen, Briefkästen, Baumstämme und Bushaltestellen wurden "bestrickt" und mit farbenfrohen Überzügen oder Blütenanhängern verziert.
Weibliche Kunst
Ziel Beim "Guerilla-Knitting" geht es darum, die Stadt ansehnlicher zu gestalten und die durch männliche Street-Art dominierten Straßen mit weiblich anmutender Kunst zu bereichern.
Mitstreiter Wer Spaß am Stricken hat, kann sich mit Ute Lennartz-Lembeck unter Tel. 02191 973677 in Verbindung setzen.
Internet Auf der Facebook-Seite "B-Arbeiten" ist das bestrickte Remscheid zu sehen.
"Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Eigentlich kann man alles schöner machen", meint Judith Mennenöh grinsend. Und obwohl die Handarbeiten im öffentlichen Raum auf den ersten Blick ziemlich "sinnfrei" ausschauen, wie Ute Lennartz-Lembeck einräumt, zeigt die Maschenwelle dennoch einen eigenen Charakter. Alle Verzierungen, die zurzeit noch sehr dezent daherkommen, werden fotografiert und im sozialen Netzwerk "Facebook" ins Internet gestellt.
Die Bilder eröffnen einen ganz neuen Blick auf die Stadt und haben bereits für viele positive Rückmeldungen gesorgt. "Man erhält ganz schnell internationale Kontakte. Menschen, die aus Remscheid weggezogen sind, werden noch mal neu auf ihre Stadt aufmerksam", sagt die Initiatorin.
Einen ersten Austausch mit Kunstschulen in Reykjavík und Stockholm gibt es bereits, andere sollen folgen. Jeder, der sich mal mit einem Schal abgemüht hat, weiß um die Zeit, die so eine Handarbeit kostet. Müsste man Remscheid also nicht besser großflächig überdachen, um langfristig den Lohn der Mühe ernten zu können? Nein, meinen die Frauen.
Ihre Strickereien erfüllen für kurze Zeit ihren Zweck, werden nach und nach unansehnlich und verschwinden so leise, wie sie gekommen sind. Deshalb kommt es beim Stricken auch nicht auf Akkuratesse oder ordentlich vernähte Fäden an. Jeder kann so mitmachen, wie er kann.
Übrigens: In dieser Woche soll's trocken und kühl werden. Da kommt der Schal für den Laternenmast doch gerade recht.
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