Remscheid: Symphoniker im Stimmungsbild
zuletzt aktualisiert: 15.09.2007Remscheid (RPO). Einige tausend Mal hat es im Laufe der vergangenen Woche „Klick gemacht“ unter www.rp-online.de/remscheid, wo wir angesichts der radikalen Remscheider Sparzwänge die Zukunft der Bergischen Symphoniker zur Abstimmung gestellt hatten. Nur mal so zum Einordnen: Diese Resonanz war mengenmäßig durchaus vergleich mit den Online-Reaktionen auf die Frage, ob Helmut Kohl den Friedensnobelpreis bekommen soll.
Das Thema Bergische Symphoniker bewegt die Menschen. Nur 9,9 Prozent der Vote-Teilnehmer waren am Ende dagegen, dass sich Remscheid die jährlichen Betriebskostenzuschüsse von 1,75 Millionen Euro fürs Orchester noch leistet. Und wohlgemerkt: Wer dieser Meinung ist, ist noch längst kein Gegner des Orchesters. Wie überhaupt in der im jüngsten Presseclub der Denkerschmette wieder aufgeflammten Debatte niemand auszumachen ist, der etwas gegen die Symphoniker hat. Sie und ihre Generalmusikdirektorin Romely Pfund sind allen lieb und teuer – nur ist Letzteres eben für einige das Problem.
Überwältigend die ausdrückliche Zustimmung: 76,8 Prozent der Teilnehmer sind dafür, dass Remscheid die Millionen weiter aufbringt und finanziert; hinzunehmen darf man getrost jene 13,2 Prozent, die das Orchester in die Trägerschaft der Bürger übertragen sehen wollen (wie dieser Vorschlag der Wählergemeinschaft konkret aussehen könnte, weiß noch keiner so genau). „Traumhaft!“, so entfuhr es jedenfalls spontan Stefan Schreiner, dem Geschäftsführer der Orchester GmbH, als er gestern von dem Abstimmungsergebnis erfuhr. Er findet, dies ergebe „ein schönes Stimmungsbild“. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
In die kommunalpolitische Debatte um die Orchesterzukunft will sich Schreiner nicht einmischen. Das stehe ihm als Geschäftsführer der Orchester GmbH nicht zu. Das sei alleinige Sache der Gesellschafter: also der Städte Remscheid und Solingen. Seine Musiker machen unterdessen ihren Job. Nun ja, einige Gespräche mit besorgten Orchestermitgliedern habe er schon geführt. Aber von wirklicher Unruhe unter den Symphonikern könne keine Rede sein.
Statt ängstlich aufzubegehren, leisten sie ihren Debatten-Beitrag auf jene Weise, die sie am besten beherrschen. Am Sonntag beim großen Familienkonzert im Teo Otto Theater, oder am Mittwoch im zweiten Philharmonischen Konzert an gleicher Stelle. Und nicht zuletzt am nächsten Wochenende bei „Welcome to the Movies“, dem kostenlosen Konzertabend, den die Stadtwerke erneut in der Wagenhalle veranstalten. Es dürfte wieder krachvoll werden. Auch mit vielen Leuten eben, die keine „klassischen“ Konzertgänger sind.
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