Remscheid: Uganda mit allen Sinnen erlebt
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 23.09.2006Remscheid (RPO). Carolin Rosiejka ist von ihrem zweimonatigen Aufenthalt in Nyendo zurückgekehrt. Vor Ort erlebte sie Armut, Dankbarkeit, Hilfsbereitschaft und eine andere Art, das Leben zu meistern. Ihre Reise – ein unvergessliches Erlebnis.
Hilfe für Waisen
Emmanuel und Goretti Musoke haben in Nyendo/Uganda ein Kinderhilfsprojekt entwickelt, dass sich um Waisen von an Aids gestorbenen Eltern kümmert.
Von Remscheid aus unterstützt seit Januar 2004 der Verein „Our children and our future“ (unsere Kinder und unsere Zukunft) die Arbeit vor Ort. Spenden sind immer willkommen: Stspk. Remscheid, BLZ 340 50 000, Konto: 3 32 17.
Carolin Rosiejka strahlt. „Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll.“ Die 23-Jährige ist zwar schon wieder fünf Tage in Remscheid, die vergangenen zwei Monate wird die junge Frau aber nicht mehr vergessen. Für den Verein „Our children and our future“ war sie nach Nyendo in Uganda gereist, um dort ein Kinderhilfsprojekt kennenzulernen.
Andere Geräusche und Sitten
„Das ist eine komplett andere Welt“, erzählt sie, „da nimmt man alles anders wahr. Was man vorher kognitiv wusste, riecht, sieht, schmeckt und spürt man aktiv.“ Plötzlich sah sich Carolin Rosiejka mit anderen Geräuschen, anderen Sitten und Gebräuchen konfrontiert. Mit allen Sinnen hörte sie das Rauschen der Bananenblätter, das andere Zwitschern der Vögel.
Als Carolin Rosiejka am Montag das erste Mal wieder in die Stadt ging, spürte sie, wie intensiv ihre Wahrnehmung war. „Wir leben hier in einem unvorstellbaren Überfluss“, sagt sie. Die Reise sei eine Bereicherung gewesen, weil sie gespürt habe, wie die Menschen in Uganda mit wenig Mitteln viel erreichen. „Im Vergleich zu uns haben sie nichts“, betont sie. Ein Medizinstudent hat ihr erzählt, dass es im Krankenhaus ein steriles Besteck pro Tag gebe. Alle anderen Patienten müssten warten – oft so lange, bis sie sterben.
„Die Menschen in Uganda übernehmen viel selbstverständlicher als wir Eigenverantwortung“, berichtet die Remscheiderin. Sie erlebte gefühlsmäßig Freude, Dankbarkeit und Herzlichkeit, aber auch Angst und Unsicherheit. „In Uganda gibt’s ganz selbstverständlich Selbstjustiz“, berichtet sie.
Gewöhnen musste sich Carolin Rosiejka an den Umgang der Afrikaner mit „der Weißen“, die „muzungu“ genannt wird. „Man wird immer angestarrt, oft auch angefasst.“ Ein besonderes Erlebnis für die 23-Jährige war der Besuch von Berggorillas in einem Nationalpark. „Den Tieren so nahe zu sein, war ein unvergessliches Erlebnis.“ Überrascht hat die 23-Jährige, dass sich die Menschen bei ihr für den Besuch bedankten. „Die Leute in Uganda sind ganz besonders, weil sie nach einem kindlichen Idealbild leben, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckt“, berichtet sie. „Man wird so aufgenommen wie man ist und muss nichts leisten, um angesehen zu sein.“
Wichtige Dinge des Lebens
In Nyendo leistete Carolin vor allem Aufklärungsarbeit für die wichtigen Dinge des Lebens. „Die Menschen müssen lernen, bewusster mit dem umzugehen, was sie haben“, erklärt sie. Viele würden zum Beispiel den Ofen mit Plastik entzünden. „Ich habe versucht, nicht zu viel zu machen, denn als Europäer den Menschen die Welt neu zu erklären, bringt nichts.“ Dafür vermittelte die Remscheiderin lebenspraktische Dinge. „Man muss erklären, warum frisches Wasser wichtig ist und warum eine Wunde versorgt werden muss.“
Carolin Rosiejka ist trotz der enormen Armut fasziniert von den Menschen, von ihrem Leben und hat viele Freunde gefunden. „Mir war vor der Reise nicht bewusst, wie wichtig ich den Menschen werden kann. Ich werde sie nie vergessen.“
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