Remscheid: Vergewaltigung: 15-Jähriger in Sexualtherapie
VON JOACHIM RÜTTGEN - zuletzt aktualisiert: 18.02.2009Remscheid (RPO). Das Schöffengericht hat am Dienstag einen 15-Jährigen wegen Vergewaltigung in eine ambulante Sexualtherapie geschickt. Richter Dr. Uwe Intorf sah es in der Fortsetztungsverhandlung als erwiesen an, dass der Jugendliche zwischen Sommer 2007 und Februar 2008 einen ebenfalls 15-Jährigen auf der Toilette einer Förderschule zum Analverkehr gezwungen hat.
Die Verfahren wegen Misshandlung, Bedrohung und Nötigung in sieben Fällen wurden eingestellt. "Du hast ein sehr ausgeprägtes Problem", meinte Intorf. Auf eine Jugendstrafe habe das Gericht verzichtet, da sich der 15-Jährige mittlerweile positiv entwickelt habe und man ihm die Zukunft nicht verbauen wolle.
Die Angaben des Opfers bezeichnete er als glaubwürdig. "Die Schilderungen sind für seinen Wortschatz und seine Gedanken unüblich, so dass wir auf die Angaben bauen", erklärte Intorf. Obwohl dem Pflichtverteidiger die Aussagen zu wenig konstant waren, verzichtete er darauf, ein Glaubwürdigkeitsgutachten zu beantragen. "Mein Mandant ist zurzeit in einer Situation, in der er sich findet und bereit ist, andere an sich heranzulassen, so dass eine Therapie vielleicht hilft", sagte er. Auch die Mutter, die ihren Sohn bei der ersten Verhandlung vor 14 Tagen als "Prinzen" bezeichnet hatte, willigte ein.
Staatsanwalt Bernd Hogrebe bescheinigte dem Angeklagten, die Tat nicht qualifiziert genug bestritten zu haben. "Es ist sein gutes Recht, aber es lässt auch Rückschlüsse zu", sagte er. Das Opfer habe im Gerichtssaal furchtbar gelitten und sei nach der Vernehmung in den Armen seiner Mutter in Tränen ausgebrochen. "Da zu unterstellen, dass er sich das alles ausgedacht hat, dafür gibt es keinen Grund", betonte Hogrebe. Seine Aussage sei sicher nicht durchgängig schlüssig, aber von seinen intellektuellen Fähigkeiten sei der Zeuge nicht in der Lage, so etwas zu konstruieren.
Dem Angeklagten bescheinigte er intellektuelle Überlegenheit auf niedrigem Niveau. "Wir müssen heute eine Zäsur machen, um Defizite abzubauen, sonst ist die Gefährdung für ihn und für andere zu groß", mahnte Hogrebe.
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