Remscheid: Vielseitiges Saitenspiel
VON BERND GEISLER - zuletzt aktualisiert: 04.01.2010Remscheid (RPO). Die "Guitar Night" in der Akademie Remscheid zeigte, wie facettenreich das Gitarrenspiel sein kann. Die Veranstaltung bildete den Auftakt des "Bergischen Gitarrenfestivals", das morgen mit dem Abschlusskonzert endet.
"Guitar Night" – das klingt so, wie es heißt. Sechs Saiten, manchmal auch ein paar mehr, beherrschen die Bühne. Diesmal präsentierten fünf unterschiedliche "Acts" ihr musikalisches Können während des Internationalen Bergischen Gitarren-Festivals in der Akademie Remscheid. Die Hochschule für Musik und Tanz Köln, Standort Wuppertal, hatte eine kreative Mischung verschiedenster Zupf-Künstler – Mandolinenspieler(innen) waren auch zu hören – aufgeboten. Das Publikum erlebte eine respektable Bandbreite der Gitarrenmusik: Klassisches von Barock über Romantik bis zeitgenössisch; Jazziges im Solo- und Trio-Spiel.
Morgen: Finale
Was? Das Abschlusskonzert des Bergischen Gitarrenfestivals beginnt morgen, Dienstag, um 19.30 Uhr in der Akademie Remscheid, Küppelstein 34.
Wie? Im ersten Teil kommen Konzertgitarren zu Gehör, im zweiten Teil dreht sich alles um Rock, Pop und Jazz.
Der Eintritt ist frei.
Das Publikum bestand durchweg aus Kennern der Szene. In den Umbaupausen, diesmal durch die Vielzahl der Musiker ein wenig nervig, nannten die Zuhörer ihre jeweiligen Favoriten. Der Franzose Judical Perroy stand ganz oben auf der Leiter der Bewunderung. Sein super-akkurates Spiel eines Stückes von Manuel Ponce ohne Temposchwankungen auch während schneller Takte mit interessanten, manchmal spannenden, da ungeahnten Betonungen versetzte immer wieder in Erstaunen. Das Publikum verlangte eine Zugabe von dem mit seiner Afrofrisur durchaus zur Santana-Band in Woodstock passenden Gitarristen und bekam sie auch: Perroy spielte Bach.
Dagegen verblasste eingangs Hubert Käppel. Dramaturgisch nicht gerade gelungen begann er mit schwer verständlicher Kost: zwei Stücke von Leo Brouwer (geboren 1939 in Havanna). "Keine schöne Neujahrsmusik", dazu Käppels Kommentar. "Aber es musste sein." Warum, sagte er nicht. Judical Perroy folgte ein nicht nur musikalisches, sonder auch optisches Highlight: das "Quartetto Fantastico". So nannte Moderator Professor Alfred Eickholt Anne Wolf, Lisa Solovey (beide Neapolitanische Mandoline, Sopranlaute) und Susanne Herre (Mandola, Gambe) unter der Leitung von Korepetitor Rupert Gehrmann (Gitarre, Tenorlaute). Sie lieferten ein fantastisches Konzert ab; ihre Mandolinen-Musik begeisterte nicht nur durch Technik, sondern vor allen Dingen auch durch Ton. Und damit Gefühl: Raffiniert aufeinander abgestimmter Melodieführungen wechselten sich mit flinken Unisono-Sequenzen ab. Herrlich. "Er hat großen Spaß gemacht", sagte Anne Wolf zum Auftritt. Gerhard Reichenbach, Nachfolger in der Professur Dieter Kreidler, stellte eingangs die Frage: "Können Sie noch Gitarre ertragen?" Die Leute konnten. Sie wurden mitgerissen von Reichenbachs dynamischem Spiel, das mit Kompositionen von Buck Walters allmählich den Übergang zu Markus Segschneider einleitete. Das war denn etwas für den harten Kern der Gitarren-Fans. Diese "Guitar Night" trug den Namen zu Recht: Es ging bis in die Nacht hinein.
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