Remscheid: Von Tanne aus dem Gleis gehoben
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 14.02.2007Remscheid (RPO). Gestern Morgen verunglückte ein Zug des „Müngsteners“ in Lüttringhausen – ohne Fahrgäste, aber mit drei Bahnmitarbeitern, die teils schwer verletzt wurden. Wegen der Bergungs- und Reparaturarbeiten ist die Strecke bis voraussichtlich Donnerstag früh gesperrt.
Es ist das Bild massiver Gewalt. Der entgleiste Triebwagen hat sich regelrecht in die Böschung gebohrt. Es riecht nach frisch aufgewühlter Erde. Metallstücke sind verstreut, Radlager, Achs- und Radteile. Mitten auf den Gleisen liegt eine einsame Achse. Die fast hüfthohen, massiven Metallräder sind verbeult wie eine angekitschte Weißblechdose.
„Nicht auszudenken, was eine Stunde später mit Fahrgästen passiert wäre“, sagt Feuerwehr-Chef Guido Eul-Jordan. Mit 60 bis 80 km/h prallte der Zug unweit der Garschager Straße gestern Morgen kurz nach 4 Uhr gegen einen Baum, der auf die Gleise gestürzt war. Die Tanne mit einem Stammumfang von 60 Zentimetern hebt den vorderen Wagen aus den Schienen.
Viele Betroffene
Im Einsatz waren von 4.15 bis 7.30 Uhr die Berufsfeuerwehr sowie die Freiwilligen Feuerwehren Lennep und Lüttringhausen mit insgesamt 36 Kräften.
Darunter waren drei Notärzte und zwei Notfall-Seelsorger.
5000 Fahrgäste nutzen den „Müngstener“ an Werktagen. Für sie wurde zwischen Lennep und Oberbarmen ein Ersatzverkehr eingerichtet.
70 Tonnen Stahl krachen im 45 Grad-Winkel gegen den Erdwall. Drei Lokführer aus Remscheid und Wuppertal werden dabei teils schwer verletzt. Einer kann sich nach draußen retten, indem er ein Fenster im Fahrgastraum einschlägt. Er steht schwer unter Schock. Seine Kollegen müssen von der Feuerwehr aus dem Führerstand befreit werden. Knochenbrüche, Rücken- und Fußverletzungen, so lautet die Diagnose. Dort, wo die Triebwagen auf den Baum gefahren sind, liegt jetzt nur noch Kleinholz. Die Achse gehört eigentlich zum ersten Triebwagen. Sie wurde beim Aufprall abgerissen.
Die Lokführer befanden sich auf einer Dienstfahrt. Sie wollten die drei Triebwagen vom Depot in Wuppertal-Langerfeld nach Lennep überführen. Dort wären die Wagen getrennt worden, um den regulären Betrieb auf der Strecke des „Müngsteners“ aufzunehmen. Doch dazu kommt es nicht. „Menschenleben in Gefahr“, so lautet die Einsatzmeldung, die gegen 4.15 Uhr eintrifft. Für die Feuerwehrleute ist es ein riskanter Einsatz. Noch während sie zum Unfallort fahren, beobachten sie Bäume, die in Wind und Regen reihenweise umkippen. Einer schlägt nur drei Meter neben einem Einsatzleitwagen auf.
Die nächste kritische Situation: Der Triebwagen liegt leicht auf der Seite, hängt regelrecht in der Luft. Bleibt er in dieser Position? Oder wird herunterkrachen, wenn die Retter ihn betreten? Einsatzleiter Michael Hill prüft die Lage und gibt grünes Licht. Dennoch besteigen die Helfer den Wagen mit einem mulmigen Gefühl. Die Verletzten sind ansprechbar und können Angaben zum Unfallhergang machen. Sie werden auf Vakuum-Matratzen hinaus transportiert und ins Sana-Klinikum eingeliefert.
Währenddessen hat die Bahn die Strecke des „Müngsteners“ zwischen Lennep und Oberbarmen gesperrt. Wolfgang Kolodziy, als Notfall-Manager der Bahn zum Unglücksort geeilt, schätzt den Schaden an den Wagen auf 200.000 Euro.
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