Remscheid: Weiter Warten auf Hochwasserschutz
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 09.08.2007Remscheid (RPO). Spendenaktion ist die Nagelprobe
Dr. Klaus Strehlau, Leiter des Stadtdienstes Natur und Umwelt, ergeht sich als Wissenschaftler nicht gerne in Spekulationen. Auf Nachbohren gibt er dann doch eine vorsichtige Einschätzung ab: Hätte es die mobilen Hochwasser-Spundwände schon gegeben, wäre in Solingen-Unterburg trotz der starken Regenfälle wohl nicht ’Land unter’ gewesen.
Das, was entlang eines Teilstücks des Eschbachs geplant ist, soll die Ortschaft vor dem schützen, was in Fachkreisen 100-jähriges Hochwasser heißt. Doch nicht nur alle 100 Jahre wird aus dem gemütlichen Eschbach ein reißender Fluss.
Anfang März hatte der Solinger Landschaftsbeirat das Thema Hochwasserschutz für Unterburg aufgegriffen. Dort wurde das Ergebnis einer Arbeitsgruppe vorgestellt: So soll der Solinger Stadtteil ähnlich wie die Kölner Altstadt mit mobilen Spundwänden geschützt werden.
Bei Bedarf könnten die Wände in kürzester Zeit von der Berufsfeuerwehr installiert werden. Ottmar Müller, stellvertretender Chef der Solinger Berufsfeuerwehr: „Das Wasser kam zwar sehr schnell, aber vielleicht hätten die Wände die schlimmsten Schäden verhindern können.“
Über Kosten und Baustart gebe es noch keine Angaben, hieß es im März. Das ist auch der Sachstand von gestern. Im Mai hatte die Bezirksregierung noch Nachbesserungen am Konzept verlangt, erzählt Strehlau. Ein Gutachter aus Aachen sitzt über den Plänen, um darzustellen, wie Niederschlagswasser außerhalb des Eschbachs aufgenommen werden kann, etwa von der Wupper. Auch wenn das Modell stimmig ist, die Kostenfrage ist noch nicht geklärt. Vertreter der betroffenen Anrainer-Städte, außer Solingen noch Remscheid und Wermelskirchen, sollen darüber verhandeln.
Der Wupperverband soll in Vorleistung gehen. Er stehe dazu im Wort, so Strehlau. Im Herbst wolle die Bezirksregierung über das Konzept entscheiden, sagte Susanne Fischer vom Wupperverband. Die Kommunen sollen die Finanzierung nach einem Veranlagungsschlüssel und in Raten stemmen: Die Klingenstadt müsste mehr als die Hälfte (54 Prozent) tragen, Remscheid 36 und Wermelskirchen den Rest. Unklar ist, ob das Land Fördermittel dazu tut. Der Bezirksvorsteher von Burg, Paul Westteppe, kritisierte, dass am Oberlauf des Eschbachs zu viele Flächen versiegelt wurden.
Am Sonntag tummelten sich 2500 Badegäste im Freibad, am Montag noch 1000. Wie sehr (nicht allein) Remscheider die Freizeitanlage schätzen, spiegelt sich nicht nur in den Besuchzahlen, sondern in spontanen Spendenangeboten. Wer geglaubt hat, das Unwetter habe dem ums Überleben kämpfenden Freibad den Todesstoß versetzt, irrt. Schon am Tag nach der Flut klingelten bei Stefan Grote und Bernd Fiedler die Telefone. Die jetzt gestartete Spendenaktion ist die Nagelprobe. Bisher geschätzte 30 000 Euro Renovierungskosten sind eine erkleckliche Summe – aber nicht für tausende Fans.
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