Remscheid: Wohin mit der Lenneper Altstadt?
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 08.11.2006Remscheid (RPO). Klaus Kreutzer, Vorsitzender des Lenneper Verkehrs- und Fördervereins, hat zurzeit ein schwergewichtiges Problem: Wohin nur mit der Lenneper Altstadt? In der Lagerhalle der Firma Steinhaus Konserven darf sie nicht mehr bleiben. Also muss sie jetzt umziehen. Kreutzers größte Sorge: Hoffentlich passt sie durch die Türe. Schließlich ist sie nicht zerlegbare 3,50 mal 2,50 Meter groß.
Die Rede ist von dem detailgetreuen Modell der Lenneper Altstadt, das über lange Jahre im Foyer des Deutschen Röntgen-Museums stand. Stadtführungen nahmen oftmals an diesem Modell ihren Ausgang, weil sich an ihm die Lage historischer Gebäude gut darstellen ließ. Dass es dem Verkehrs- und Förderverein gehört, war in Vergessenheit geraten. Erst, als zum Umbau der Ausstellungsräume Platz geschaffen werden musste, erinnerten sich die Museumsleiter an die geistigen Väter und baten um zügige Abholung.
„Ich habe im vergangenen Jahr erfahren, dass ich ein uneheliches Kind habe“, berichtet Kreutzer schmunzelnd, und wie es sich gehört, sorgt er sich um sein Wohl. Was damit begann, dass Kreutzer mit seinem betriebseigenen Lkw anrumpelte, um das Modell in einer Nacht- und Nebelaktion vom Röntgen-Museum in eine Lagerhalle der Firma Steinhaus zu schaffen. Dort überwinterte es zwischen Apfelmus- und Sauerkirschdosen. Nicht die schlechteste Gesellschaft.
Ist ja nur für ein Jahr, tröstete sich Kreutzer außerdem, rechnete er doch damit, dass das Modell nach dem Umbau wieder ins Röntgen-Museum zurückkehren darf. Doch in den neu konzeptionierten Räumen ist der uneheliche Nachwuchs unerwünscht, gab ihm die Museumsleitung kürzlich diskret zu verstehen. Und weil auch die Konserven mehr Platz brauchen – jetzt wird bei Steinhaus wieder Kompott eingekocht – muss das Modell dieser Tage in seine neue Übergangsbleibe an der Haddenbacher Straße geschafft werden.
Doch Klaus Kreutzer ist ein stolzer Papa. Die Leute sollen sich das Modell schließlich anschauen können, das Hans Schäfer, Mitglied des Verkehrs- und Fördervereins, einst in mühevoller Handarbeit zusammengebaut hat. So will er den Vorschlag der Stadtteilpolitikerin Herta Rohrweck gerne aufnehmen und sich um ein endgültiges Asyl in der Ankunftshalle des Lenneper Bahnhofs bemühen. Natürlich nicht, ohne den Schatz vor Vandalismus zu schützen. Von „Panzerglas“ spricht Kreutzer bereits.
Wenn sich nur alle Väter für ihren unehelichen Nachwuchs so verantwortlich fühlten . . .
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