Remscheid: Zerschnitten und geklaut
VON ALEXANDRA KEMP - zuletzt aktualisiert: 05.07.2007Remscheid (RPO). Vandalismus in Bussen kommt die Stadtwerke teuer zu stehen: Im vergangenen Jahr
kosteten die Reparaturen 18 000 Euro. Die Schadenssumme wird in diesem Jahr erstmals wieder steigen.Klaus Günther-Blombach kann es immer noch nicht so ganz fassen. Mit dem Finger fährt er auf einem Streckenplan der Linienbusse entlang. Hier hinterließen vor knapp drei Wochen unbekannte Täter eine Spur der Verwüstung: In einer einzigen Nacht wurden die Scheiben von 26 Bushaltestellen eingeschlagen. Ob da jemand eine besonders große Wut auf die Stadtwerke hatte? Der Leiter des Verkehrsmanagements schüttelt den Kopf. „Das war kein Handeln im Affekt mehr, das war eine gezielte Tat.“
Um sie wirklich ungestört durchführen zu können, standen dem oder den Tätern lediglich zwei Stunden zur Verfügung. Nur in dieser Zeit sei niemand auf der Strecke unterwegs, berichtet Günther-Blombach. „Das haben die vielleicht aus dem fahrenden Auto heraus getan“, mutmaßt er. Doch wie es sich genau zugetragen hat, weiß man nicht: Es gibt bislang weder Zeugen, noch wurde das Tatwerkzeug gefunden. Lediglich die Höhe des Schadens steht schon fest: Bis zu 12 000 Euro werden die Stadtwerke in die Reparatur der Haltestellen stecken müssen.
Schutz gegen Vandalen
78 Busse haben die Stadtwerke in Betrieb. Gegen Vandalismus schützen sie sich nicht nur per Video-Überwachung, sondern auch mit ehrenamtlichen Fahrzeugbegleitern, die unter Jugendlichen für Ordnung sorgen sollen.
Die Fahrer lernen in Schulungen deeskalierendes Verhalten. Mit der Polizei besteht eine Ordnungspartnerschaft.
Ganze Sitze werden geklaut
Das sind zwei Drittel der Kosten, die Vandalen sonst in einem ganzen Jahr verursachen. Dabei waren die Stadtwerke sehr stolz, die Zahl der Taten deutlich gesenkt zu haben: Wurden im 2004 noch Schäden in Höhe von 26 500 Euro verursacht, waren es im vergangenen Jahr lediglich 18 000 Euro. Diesen Erfolg schreiben die Stadtwerke insbesondere der Videoüberwachung in den Bussen zu, denn dort werden die meisten Zerstörungen registriert – zerkratzte Fensterscheiben, zerschnittene Polster, bekritzelte Wände.
Insbesondere in vollen Bussen passiert viel. „Die klauen sogar ganze Sitze“, hat Reinhard Emde beobachtet, der als Polsterer in der Reparaturwerkstatt der Stadtwerke arbeitet. Auch die Schaumstoff-Verkleidung von Haltegriffen ist offenbar ein beliebtes Souvenir. Was die Leute damit anfangen, vermag Reinhard Emde allerdings nicht zu beurteilen. Neu ist, dass jetzt auch Scheiben von außen zertrümmert werden, wenn die Wagen noch fahren, berichtet Günther-Blombach. Ein gezielter Wurf mit einem Stein oder dem zuvor aus dem Bus geklauten Nothammer, schon ist ein Schaden von 400 Euro und mehr verursacht. Die Täter werden nur selten geschnappt.
Busse als Werbeträger
Die Stadtwerke sind bestrebt, diese Mängel zügig zu beheben, „denn das Äußere bestimmt das Gefühl der Sicherheit. Und die Busse sind für uns fahrende Werbeträger“, sagt Günther-Blombach. Auch die zerstörten Haltestellen werden zügig repariert: Ende Juli will man damit fertig sein.
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