Remscheid: Zielstrebigkeit lässt sich lernen
VON STEFANIE BONA - zuletzt aktualisiert: 04.02.2011Remscheid (RPO). Am Käthe-Kollwitz-Berufskolleg können Schüler den Realschulabschluss nachholen. Für sie gibt es ein Projekt, das ihr Selbstbewusstsein stärkt und die Kreativität fördert. Die Schüler gründen dabei eigene Firmen.
Vielen Schülern fehlt Selbstbewusstsein. Diese Erfahrung haben Alexandra Fürst-Peitz und Peter Schlaaf im Umgang mit jungen Menschen gemacht: "Viele Schüler neigen dazu, erst einmal zu sagen, was sie alles nicht können." Dieser Selbsteinschätzung möchten die Lehrer des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs entgegenwirken und ihren Schülerinnen und Schülern neue Perspektiven aufzeigen. Dazu wurde in der zweijährigen Berufsfachschule für Hauswirtschaft und Ernährung ein Projekt eingeführt, das motiviert und Eigeninitiative fördert.
An zwei Unterrichtsstunden in der Woche beschäftigen sich die 17- bis 20-Jährigen mit der Gründung einer Firma. "Es geht darum zu zeigen, wie man aus eigenen Ideen und Interessen etwas machen kann", erklärt Alexandra Fürst-Peitz. Um die Kollegschüler fachkundig anzuleiten, haben sie und ihr Kollege eine Fortbildung beim Verein "Network for Teaching Entrepreneurship" – kurz NFTE – absolviert. Ziel dieser Qualifizierung ist die Förderung von Eigeninitiative, Selbstständigkeit und Unternehmergeist bei Jugendlichen mit schlechten Startbedingungen. Die Berufsfachschüler holen derzeit alle die Mittlere Reife nach. Durch die Projektarbeit wird ihnen vor Augen geführt, was der Realschulabschluss wert ist und was sich mit Kreativität, Fleiß und Zielstrebigkeit verwirklichen lässt.
Von der ersten Geschäftsidee über Marktanalyse, Kosten- und Marketingplan bis zum Bedarf an Startkapital gründen die jungen Erwachsenen ihr eigenes Unternehmen. Auch wenn dies nur auf dem Blatt Papier und am Computer geschieht, erhalten sie viele positive Impulse für ihre Zukunftsplanung. "Ich hätte nie gedacht, dass ich so viele gute Ideen habe, die sich vielleicht auch umsetzen lassen", sagt Serya. Sie stellt sich vor, eine mobile Nagelpflege kombiniert mit Friseurleistungen anzubieten. Ihr Mitschüler Chagri ergänzt: "Wir bekommen einen Eindruck davon, wie eine Selbstständigkeit aussehen könnte." Melanie schätzt die Teamfähigkeit, die durch das gemeinsame Arbeiten an Geschäftsidee und Präsentation trainiert wird. Andrea findet es richtig gut, "dass es diesen Kurs gibt".
Zudem wird den Schülern bewusst, dass das Lernen mit Ende der Schulzeit nicht aufhört. Wer etwas erreichen möchte, muss sich weiter qualifizieren – ob er nun eines Tages als Unternehmer oder anderweitig beruflich Fuß fassen möchte. Im Laufe des zweiten Halbjahres werden alle "Jungunternehmer" ihr Projekt präsentieren. Damit diese Vorstellung mehr Gewicht bekommt und wertgeschätzt wird, ist geplant, Vertreter aus der Wirtschaft dazu einzuladen.
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