Remscheid: Zwei Bühnen, ein Ziel
VON SOLVEIG PUDELSKI - zuletzt aktualisiert: 17.10.2006Remscheid (RPO). Die Häuser nähern sich endlich an. Gemeinsam rufen das Teo Otto Theater und das Westdeutsche Tourneetheater theaterpädagogische Projekte ins Leben: Wettbewerbe für Kinder und einen Dramaturgie-Club.
Beide Theater pflegten bisher respektvolle Distanz. Jetzt, unter neuer Leitung geht man aufeinander zu. Das bespielte Teo Otto Theater und das WTT als produzierendes Haus mit eigenem Ensemble wollen auf dem Gebiet Theaterpädagogik zusammenarbeiten – für Stadt und Teilnehmer kostenneutral. „Unsere Erfahrungen und Ideen ergänzen sich“, sagte WTT-Intendant Wolfgang Eysold gestern in einem Pressegespräch. Auch Theaterleiterin Dorothee Stürmer sieht Vorteile der räumlichen und inhaltlichen Nähe.
Zwei Anknüpfungspunkte boten sich in dieser Spielzeit für Projekte an, als bei der gemeinsamen Vorstellung der Spielpläne die Idee der Kooperation entstand. Zum einen bringen beide ein Lessing-Stück auf die Bühne: das WTT „Nathan, der Weise“, das Teo Otto Theater „Emilia Galotti“. Zum anderen wird die Inszenierung des Schelmenstücks „Hase und Igel“ des WTT im großen Teo Otto-Haus Premiere feiern, dazu wird es zwei Wettbewerbe für Grundschüler geben. Als Preise winken Theaterführungen und Eintrittskarten.
Dramaturgie-Club
Jeden Montag zwischen 15 und 18 Uhr setzen sich die Clubmitglieder in der Kantine des Teo Otto Theater zusammen, das Reclam-Heft vor sich.
Textkenntnis wird vorausgesetzt. Die Teilnahme ist kostenfrei.
Geplant sind Besuche von Vorstellungen und Theaterführungen.
Kontakt unter % 0 21 91/ 3 22 85 oder per Mail: wtt-remscheid@t-online.de
Nicht bloß Theater-AG
Zurück zu Lessing: Die x-te Theater AG, in der junge Leute sich zaghaft auf die Bühnenbretter wagen, ohne jemals den Schauspieler-Beruf anzustreben, „die wollten wir nicht gründen“, meinte Stürmer. Geplant sei ein Dramaturgie-Club für junge Leute ab der zwölften Jahrgangsstufe oder auch Studenten, die intensiver über ein Stück nachdenken wollen.
Zehn bis zwölf Teilnehmer schlüpfen unter der Leitung von Claudia Sowa, stellvertretende WTT-Intendantin und Theaterpädagogin, in die Rolle eines Dramaturgen. Wie kann man aus einer Textvorlage eine Inszenierung bauen? Wie kürze ich? Welche Aussage bezwecke ich? Wie lasse ich die Figuren die Rolle spielen – zum Beispiel in der Ringparabel, wenn Saladin den Juden Nathan fragt, welche der drei Religionen er für die wahre halte. Es werde tief analysiert, diskutiert, gründlich nachgefragt. Schauspieler des WTT können beispielsweise unterschiedliche Rollenauffassung vorspielen.
„Das ist kein Bespaßungskurs. Wer mitmacht, sollte Freude am Denken haben“, erläuterte Sowa – ein Gegengewicht zum schnellen oberflächlichen Konsumieren. Die Mühe wird ihre Langzeitwirkung entfalten, da sind sich Eysold, Stürmer und Sowa sicher. Die Teilnehmer lernen sehen. „Sie bekommen als Theaterbesucher einen anderen Blick auf das Bühnengeschehen“, weiß Stürmer. Interessant sei der Club auch für künftige Literaturwissenschaftler und alle, die einen Theaterberuf ergreifen wollen. Am Ende soll ein Regiekonzept stehen. „Wir erhoffen uns auch Anregungen für unsere eigene Arbeit“, gestand Eysold. Er steht ab Februar 2007 als Nathan auf der Bühne.
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